Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
1276
Das Augsburger Stadtrecht und die Prostitution

Augsburg * Das Augsburger Stadtrecht unterstellt die „varnden freulin“ der Rechtsaufsicht des Henkers.  

  • Dieser Schritt bedeutet einerseits, dass sich die Reichsstadt Augsburg mit der ständigen Anwesenheit der Prostituierten abgefunden hat und  
  • andererseits sind die Augsburger Dirnen - welch ein Fortschritt - nicht mehr rechtlos, sondern einem Sonderrecht unterworfen und  
  • können sich bei Willkürentscheidungen des Henkers an den Vogt als Schiedsinstanz wenden. 
1279
Umherziehende Lustdirnen in Landshut

Landshut * Die umherziehenden Lustdirnen, die später oft noch als Fahrende Fräulein bezeichnet werden, werden in Landshut der Gruppe der Fahrenden zugeschlagen. Sie sind zwar geduldet, aber dennoch missachtet, weshalb sich ihre Häuser am äußeren Stadtrand befinden. 

1566
Papst Pius V. gibt die Toleranz gegenüber dem Dirnenwesen auf

Rom-Vatikan - München * Papst Pius V. gibt die Toleranz gegenüber dem Dirnenwesen auf. Am Ende appellieren sogar die katholischen Pfarrer an den Rat der Stadt, das Frauenhaus zu schließen. Sie beziehen sich dabei - wie die Reformierten - auf die Aussagen der Bibel gegen die Hurerei. 

31. März 1683
Die türkische Armee sammelt sich bei Adrianopel

Edirne * Die Osmanische Armee sammelt sich bei Adrianopel [= heute: Edirne] mit 168.000 Mann und 300 Geschützen. Es ist das größte Heer, das die Türken jemals aufgestellt haben. Der baierisch-österreichische Vertrag vom 26. Januar 1683 war damit - wenn auch nach langen und zähen Verhandlungen - gerade noch rechtzeitig zustande gekommen. 

5. Mai 1705
Die Landbevölkerung ist am stärksten betroffen

Wien * Kaiser Leopold I. stirbt in Wien. Sein 27-jähriger Sohn Joseph I. wird zum Kaiser gewählt. Der neue Herrscher des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation will, dass „auf Bainern Keine andere reflexion zu machen sein, als selbiges in soweith genießen zu Können, das es hinkünftig dem Churfürsten Unnutz seyn solle“.  

Von dieser Politik ist die Landbevölkerung am stärksten betroffen. 

  • Sie hat - neben den drastischen Steuererhöhungen - besonders unter den drückenden Quartierlasten und den Schikanen der hier stationierten oder durchmarschierenden kaiserlichen Regimenter zu leiden.  
  • Hinzu kommt die Disziplinlosigkeiten und Exzesse der Soldaten, die der Landbevölkerung oft zusätzliche Leistungen abpressten.  
  • Die Bauern müssen für die Militaristen Dirnen besorgen und bezahlen.  
  • Häufig zwingt man sie bei Vergewaltigungen der eigenen Frau, der Töchter und Anverwandten zuzusehen.  
  • Selbst von jungen Mädchen und Schwangeren nehmen die Soldaten keinen Abstand.  
  • Plünderungen gefährden die Lebensmittelversorgung der ländlichen Bevölkerung und der Bewohner der Städte. 
25. September 1841
Ein Haberfeldtreiben gegen den Pfarrer

Wöllkauer Anhöhe bei Irschenberg * In der Nacht vom 25. zum 26. September 1841 zitieren etwa 100 Haberer auf der Wöllkauer Anhöhe bei Irschenberg den Pfarrer Ignaz Kalm zur mitternächtlichen Stunde heraus und lesen ihm beim Schein von Fackeln und Laternen aufgrund seines recht liederlichen Lebenswandels die Leviten.

Man wirft ihm unter anderem vor, dass „er sich mit Dirnen und Eheweibern abgebe, ja, daß er sich sogar soweit verfehlt habe, einer am Sterbebette befindlichen Weibsper­son die Schamteile zu berühren“. Die Anschuldigungen führen dazu, dass der Pfarrer Ignaz Kalm „wegen seines äußerst unsittlichen und in der That höchst empörenden Wandels“ des Amtes enthoben wird.

Die geistlichen Herren rücken immer mehr in das Zentrum der Verfolgung, je mehr die Amtskirche mit der zunehmenden Kriminalisierung der Haberer eine kritische Position gegenüber den Treiben einnimmt. 

1876
Ein Bericht über die Münchner Prostituierten

München * Über die Münchner Prostituierten liest man: „München zählt [...] nahezu 1.000 konskribierte öffentliche Phrynen [Dirnen], deren Kleiderkunst und übertünchte Gesichter sich in den schönen Teilen der Stadt zeigen“. Weiter beklagt der Bericht die überhand nehmende Straßenprostitution und plädierte für die Errichtung eigener Freudenhäuser.