Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
1511
Münchens ältestes Brunnhaus wird gebaut

Au * Münchens ältestes Brunnhaus, das Wasserhaus am Isarberg, wird gebaut und in der Folgezeit mehrmals umgebaut und auf den technisch neuesten Stand gebracht. Die aus dem Isarhochufer austretenden Quellen werden gefasst und danach in Bleirohren dem Brunnhaus zugeführt. Mit einem Wasserhebewerk aus Holz wird dann das Quellwasser in einen kupfernen Kessel im obersten Stockwerk des Wasserturms gedrückt.

Vom Kessel wird das Wasser mit Druck „in hölzerne Deichen über die Isar in die Stadt geleitet, und durch unzählige äste vertheilt. Es läßt sich leicht denken, daß bey diesem großen Wasserreichtume, in den vielen Privatgärten an herrlichen Springwässern, kein Mangel sey“.

24. Oktober 1600
Ein Selbstmordversuch der Agnes Klostermüller scheitert

München-Graggenau * Ein Selbstmordversuch der eingesperrten und gefolterten Agnes Klostermüller scheitert. Gebrochen und verzweifelt erzählt sie nun alles, was man von ihr hören will: 

  • „Sie habe eine Menge Kinder umgebracht,
  • habe an dreißig Herzlein [von Kindern] gegessen,
  • habe acht alte Leute durch Bestreichen mit der Salbe getötet,
  • sei ausgefahren, besonders zu Brunn im Schloss in den Keller, wo sie guten Wein getrunken.
  • Des Edelmanns Weib dort habe sie ‚erkrümbt‘. 
  • Sie habe an 20 Rinder gefällt, vielen Kühen die Milch benommen, fünf Wetter [...] gemacht.“ 
1616
Georg Schobinger kauft den an der Lilienstraße gelegenen Klingenhammer

Au * Georg Schobinger kauft auch den an der Lilienstraße gelegenen Klingenhammer mit Werkzeug, Polier- und Schleifmühle, die oberen und unteren Gärten, Röhrlwasser, Brunnstuben und Fischgerechtigkeit am Mühlbach um 8.000 Gulden.

Die Klingenschmiede hatte zwar ihren Ruf und ihre Bedeutung verloren, war aber nachweislich noch als Schobinger Mühle in Betrieb.

um 1616
In Würzburg kommt es zu Hexen-Verfolgungen

Würzburg - Tübingen * In Würzburg kommt es unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zu ersten Verfolgungen. In einem Tübinger Bericht berichtet ein anonymer Verfasser über den aufkeimenden Hexenwahn im Hochstift:

„Auß dem Bißthum Würzburg: Gründliche Erzehlung der Bischof zu Würzburg das Hexenbrennenim Frankenland angefangen, wie er dasselbeforttreiben, und das Ungeziffer gentzlich außrotten wil, und allbereit zu Geroltzhoffen starke Brände gethan, hinführe alle Dienstag thun will“

um 1616
Die Statue der Tellus Bavarica wird aufgestellt

München-Graggenau * Auf der Spitze des zentralen Pavillons im Hofgarten wird die Statue der Tellus Bavarica aufgestellt.  

Erbaut werden die Nord- und Westarkaden, das neue Brunnhaus und eine Brücke zum Hofgarten, die den Zugang von der durch den Stadtgraben abgetrennten Residenz bildet. 

5. Juni 1659
Ein Kuraufenthalt in Heilbrunn soll der Kinderlosigkeit Einhalt gebieten

Heilbrunn * In Heilbrunn trifft das Kurfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide, begleitet von einem Hofstaat von über 150 Personen ein. Die Ehe des gleichaltrigen, 22-jährigen Paares ist auch im achten Jahr kinderlos geblieben. Das beunruhigt den Adel und wird als Zeichen der Schwäche ausgelegt.  

Ein Kuraufenthalt in Heilbrunn soll der Kinderlosigkeit Einhalt gebieten. Fünf Wochen, bis 10. Juli, dauert die Kur an. Danach kehrt die Kurfürstin gestärkt und bei guter Gesundheit wieder nach München zurück. 

17. November 1660
Maria Anna Christina Victorie wird in München geboren

München * Maria Anna Christina Victorie, die Tochter des baierischen Kurfürsten Ferdinand Maria und seiner Gemahlin Henriette Adelaide, wird in München geboren. Das freudige Ereignis tritt ein Jahr nach der Kur ihrer Mutter in Heilbrunn ein. 

24. September 1662
Der Auftakt einer Festtriologie im Opernhaus am Salvatorplatz

München * Auch das Volk darf sich an den Feierlichkeiten aus Anlass der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel beteiligen. Von Mittag bis zum Abend fließt aus eigens vor der Residenz aufgestellten Brunnen weißer und roter Wein. Brot wird verteilt. Und Hofleute werfen Geldstücke und Schaumünzen unters Volk. Das kurfürstliche Herrscherpaar verfolgt zeitgleich im Opernhaus am Salvatorplatz die Oper „Fedra Incoronata“. Sie bildet den Auftakt einer Festtriologie.  

Noch vor der eigentlichen Opernaufführung erscheinen Iris, Hebe sowie Lucina und verkünden, dass die Zeit der finsteren unwirtlichen Wetter zu Ende geht und jetzt heitere Tage anbrechen würden. Sie sind gekommen, um die Sorgen und Schmerzen, die sich mit der schweren Geburt des Prinzen eingestellt haben, zu vertreiben. Dem neuen Helden [Max Emanuel] wünschen sie alles Gute und dass er wachsam und Kühn das Schwert führen werde.

In dem folgenden Spektakel treten nahezu alle griechischen Götter und Helden auf und huldigen dem Kurprinzen. Selbst der Kriegsgott Mars prophezeit, dass die unbesiegbare Rechte Max Emanuels die „Türken zähmen und bezwingen“ werde. Dem drei Monate alten Kurprinzen wird von den Göttern eine großartige Zukunft vorausgesagt. 

26. September 1662
Die Fortsetzung der Festtriologie mit einem Turnierspiel

München-Graggenau * Die Fortsetzung der Festtriologie findet mit dem Turnierspiel „Antiopa Giustificata“ statt, das im überdachten Brunnenhof der Residenz beginnt und am Nachmittag im Turnierhaus am Hofgarten fortgesetzt wird. Dort hat man zwei gegenüberliegende Bühnen aufgebaut:

  • Eine männliche mit dem baierischen Wappen und
  • eine weibliche mit dem Wappen von Savoyen.  

Eine Sphinx tritt mit einem Spiegel auf, in dem Kurfürst Ferdinand Maria die „herrlichen Taten“ seines Sohnes erkennen könne, mit denen Max Emanuel „die Welt überraschen“ werde: Die „Siege über die Barbaren“ und den „Triumph über die Türken“, der den „Untergang des Halbmondes“ zur Folge haben wird. 

9. September 1685
Empfang für das Kurfürsten-Paar in Haidhausen

Haidhausen * „Nachmittags um drei Uhr hatten sich auf dem Anger vor dem Besitztum des Grafen Leiblfing die Kavaliere mit Kutschen und Handpferden versammelt. Auch die kurfürstliche Leibgarde zu Pferd und eine Kompagnie der Bürgerschaft zu Pferde waren angetreten.“ Das Kurfürsten-Paar Max Emanuel und Maria Antonia werden am Haidhauser Schlossanger von den dort versammelten Anwesenden feierlich empfangen. 

Nach einer ausführlichen Huldigung des jungen Ehepaares erfolgte schließlich der triumphale Einzug in die nahe Residenzstadt München. 

Für die erwiesene Gastfreundschaft wird Kurfürst Max Emanuel dem Haidhauser Schlossbesitzer wieder ein kleines Stück entgegenkommen. Der Landesherr akzeptiert zwar die von seiner Hofkammer gemachten Einschränkungen, wonach Haidhausen nicht zur geschlossenen Hofmark ernannt werden darf, weil dort auch andere die Jurisdiktion ausüben, nämlich:  

  • das Leprosenhaus am Gasteig über den Kotterhof,  
  • Graf Preysing, die Ridler und die Jesuiten über ihre Gartengüter sowie  
  • der Kurfürst selbst über das Brunnhaus und den Jäger im Brunntal.  

Außerdem, so die Hofkammer weiter, darf der Kurfürst die Jurisdiktion für eine so große Ortschaft nahe der Landeshauptstadt nie vergeben, da er sich sonst bei auftretenden Unregelmäßigkeiten zuerst an den Hofmarkherren wenden muss, statt sofort selbst einzuschreiten. Dies könnte besonders beim Ausbrechen der Pest oder bei der unerwünschten Ansiedelung von Bettlern und vagierendem Gesindel nötig sein. 

3. März 1692
Kurfürst Max Emanuel erklärt Haidhausen zur geschlossenen Hofmark

Haidhausen * Da Graf Franz Pongraz von Leiblfing in seinem Bestreben, die Erhöhung seines Besitzes in Haidhausen zur geschlossenen Hofmark, nicht nachlässt, erklärt Kurfürst Max Emanuel schließlich die Hofmark des Geheimen und Conferenzrates, Kämmerers, Revisionsrates und Pflegers von Waldmünchen, des inzwischen in den Reichsstand erhobenen Reichsgrafen von Leiblfing - wegen der „vill vnd lange Jar trew geleisteter Dienst vnd aus absonderlichen gnaden“ - mitsamt dem Brunnthal für geschlossen. Damit ist der Haidhauser Schlossbesitzer endlich am Ziel seiner langjährigen Bemühungen.  

In seiner geschlossenen Hofmark unterstehen ihm nun alle dem „Hofkastenamte zinsbaren Unterthanen zu Haidhausen“ und nicht nur die Bauern und Dienstboten, die seine Güter bearbeiteten. Neben riesigen landwirtschaftlichen Flächen besitzt der Graf auch das Recht Scharwerke, Bodenzins und sonstige Steuern und Abgaben - also die gesamten Einkünfte aus Haidhausen - einzutreiben. Selbst die Vergabe der Gerechtsamkeiten“ also die Erlaubnis innerhalb der Hofmark ein bestimmtes Handwerk oder Gewerbe ausüben zu dürfen, unterliegen nun ausschließlich seiner Entscheidung.  

  • Dem Hofmarkherrn unterstehen „im Dorfe 85 Hausbesitzer, die Scharwerkgeld zu entrichten haben.  
  • In der Schwaige nimmt er von 42 Untertanen Scharwerkgeld und Bodenzins ein.  
  • Der Großwirt hat Stift und Gilt zu entrichten und Melber, Metzger, Schmid, Hufschmid und Schneider haben unterschiedliche Beträge abzuführen.  
  • Der jährliche Ertrag der Hofmark beläuft sich auf 188 Gulden 11 Kreuzer“.
  • Die Konsequenz aus der Erhebung Haidhausens zur geschlossenen Hofmark ist der Austritt aus dem Verband des Gerichts ob der Au.  

Während der Leiblfing‘schen Hofmarkszeit wird die Ansiedlung minderbemittelter Leute stark begünstigt. Jeder, der die Gebühren entrichten und eine Herberge erwerben kann, darf sich niederlassen und heiraten. Zeitgenossen merken kritisch an, dass der Hofmarkherr nur auf seinen Vorteil bedacht ist und sein Streben einzig der Erhöhung seiner Einnahmen gilt. Er ergreift „jede Gelegenheit Geld aus den Untertanen zu pressen, z.B. durch offenbare Begünstigung der Herbergskäufe und Ansässigmachungen und Verehelichungen, wegen der anfallenden Laudemien, Verbriefungs- und anderer Taxen und Sporteln“

24. Dezember 1705
Der Zug der Aufständischen kommt in Baierbrunn an

Baierbrunn * Gegen 16 Uhr kommt der Zug der Aufständischen in Baierbrunn an. Dort findet eine weitere Besprechung statt. Vom Anzinger Posthalter Hierner ist die Nachricht eingetroffen, dass die Unterländer nicht nach München marschieren können, weil ihnen das Korps Kriechbaum in Anzing den Weg versperrt.

Erneut rät Hauptmann Mayer zur Umkehr. ​Er will über die Schäfftlarner Brücke nach Valley, um sich mit den Unterländern zu vereinigen. Mayer kann sich erneut nicht durchsetzen, weshalb der „Marsch nach München“ fortgesetzt wird. 

10. Dezember 1750
Siebenbrunn wird adeliger Sitz

Giesing * Siebenbrunn wird unter seinen neuen Eigentümer, Johann Joseph Perger, Leibmedikus des Kurfürsten Max III. Joseph, selbstständiger adeliger Sitz „mit der Jurisdiktion soweit der Dachtropfen gehet“. Und weiter: „[…], so daß diser Süz gleichwie der ohrt vorhin Sibenbrun genent werden solle und Er, Leibmedicus von Perger und die seinige sich hievon schreiben mögen“. 

Siebenbrunn ist ein typischer barocker Schlossname der sich von sieben Quellen ableitet, die aus dem Hochufer austreten. 

20. März 1754
Hellabrunn wird zum adeligen Sitz erhoben

Giesing * Hellabrunn wird auf Betreiben von Franz Anton Paur zum adeligen Sitz mit dem Namen „Hellenbrun“ erhoben. Der Name „Hellabrunn“ bedeutet sinngemäß „heller Brunnen“, „klares Wasser“ oder „klare Quelle“. Im Zeitalter des Barock waren derartige, wasserbezogene Bezeichnungen für Lustschlösser und Parkanlagen besonders beliebt, etwa „Fontainebleau“ oder „Clairfontaine“.

Einen vergleichbaren Namen trägt auch das Schloss Hellbrunn bei Salzburg, das vor allem durch seine berühmten Wasserkünste bekannt ist. Der Name „Hellabrunn“ dürfte daher weniger auf eine tatsächlich aus dem Berg hervorsprudelnde Quelle zurückgehen als vielmehr auf eine barocke Namensmode und auf die Wasserspiele der Parkanlagen oberhalb der Au. 

Die Wasseranlagen des Schlossgartens Harlaching endeten am Fuß des Berges in rund 25 Fontänen. 

1759
Die Äußere Isarbrücke wird mit Steinen verkleidet

München *  Zehn Steinjoche für die Äußere Brücke sind an der Kleinen Isar errichtet. Die Bogengewölbe werden dann aus Ziegel gemauert und nur außen mit Stein verkleidet. Über den Pfeilern ist die Brüstung mit Postamenten durchbrochen, die ab 1764 als Ausschmückung von Steinkugeln gekrönte Pfeileraufsätze trugen.

Unter den beiden erhöhten Gehwegen verläuft die Wasserleitung für das Trinkwasser aus dem städtischen Brunnwerk am Gasteig. Der Zeitpunkt der Fertigstellung der Äußeren Isarbrücke lässt sich nicht mehr feststellen.

1779
Der Schönbrunner Tiergarten wird frei zugänglich

Wien * Der Schönbrunner Park und die Menagerie wird für „anständig gekleidete Personen“ frei zugänglich. 

Damit stellt der Tiergarten Schönbrunn einen frühen Übergang von der höfischen Tierhaltung zum öffentlich zugänglichen zoologischen Garten dar und gilt als der älteste noch bestehende Zoo der Welt.

um 1798
Adrian von Riedl kauft ein trockengelegtes ödes Land

München-Englischer Garten - Lehel * Adrian von Riedl, der zuvor mit zwei Dämmen das weitverzweigte Wildflussbett der reißenden Isar zwischen Lehel und Ismaning gebändigt hatte, kauft einen Teil des von ihm trockengelegten ehemaliges Isarbetts, das als ödes Land von Kurfürst Carl Theodor freigegeben wurde.

Zunächst lässt er sich zwischen Eisbach und Schmiedbach, am Rande des Englischen Gartens ein stattliches Palais erbauen, das er mit einem kleinen Englischen Garten mit allerlei Zubehör umgibt. Sogar eine Brunnquelle, eine Gloriette, und ein kleiner Chinesischer Turm dürfen nicht fehlen. Aus dieser Anlage entsteht später der Paradiesgarten, ein beliebtes Ausflugslokal.

10. Dezember 1805
Baierns Territorium soll erweitert und Königreich werden

Brünn * Im französisch-baierischen Vertrag von Brünn belohnt der Franzosenkaiser Baiern für seine Waffenhilfe und sichert ihm erneut zu, dass er im bevorstehenden Friedensvertrag mit Österreich Kaiser Franz II.

  • die Abtretung Vorarlbergs, der Gebiete in Schwaben und der Reste von Eichstätt und Passau zugunsten Baierns auferlegen will.
  • Außerdem soll der Kaiser in Wien auf jegliche Oberhoheit über den Kurfürsten von Baiern, der den Königstitel annehmen wird, verzichten.
  • Zudem sichert der französische Kaiser im Vertrag von Brünn Baiern die erbliche Königswürde zu.

Bereits im Vertrag von Bogenhausen hatte sich Napoleon Bonaparte verpflichtet, im Falle eine siegreichen Kriegsausgangs für eine weitere Vergrößerung Baierns einzutreten. 

26. Dezember 1805
Baiern erhält die Souveränität und die erbliche Königswürde

Bratislava * Österreich schließt mit Napoleon den Frieden von Preßburg, in dem es die im Vertrag von Brünn vom 10. Dezember 1805 festgesetzten Bestimmungen anerkennt. Der Friedensvertrag von Pressburg beendet den Dritten Koalitionskrieg.

Das hat zur Folge, dass Baiern die Markgrafschaft Burgau im heutigen Bayerisch-Schwaben, die Reste der Hochstifte Eichstätt und Passau, die freien Reichsstädte Augsburg und Lindau zugesprochen bekommt.

Österreich muss die Rangerhöhung des baierischen Kurfürsten zum König und Gebietsabtretungen akzeptieren. 

22. Januar 1806
Weitere Gebietserweiterungen für das Königreich Baiern

Schönbrunn * Im Vertrag von Schönbrunn erhält das Königreich Baiern weitere Gebietserweiterungen:

  • Als Ersatz für das Herzogtum Berg erhält Baiern das Markgrafentum Ansbach,
  • dazu sieben Herrschaften in Vorarlberg,
  • die Grafschaften Hohenems und Königsegg-Rothenfels,
  • die Herrschaften Tettnang und Argen am Bodensee sowie
  • die ehemals gefürstete Grafschaft Tirol, die Baiern samt Trient und Brixen bekommt.
  • Dafür müssen sie allerdings auf Würzburg verzichteten. 
1807
Die Badeanlage in Bad Brunnthal

Bogenhausen * Die aus Frankreich stammende Magdalena Dumenyl betreibt in Brunnthal bei Bogenhausen eine Badeanlage mit angeschlossener Gastwirtschaft. Das schlossähnliche Hauptgebäude der Anlage wird von einem markanten Türmchen geprägt. Die Badetradition in Bad Brunnthal lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Nun fließt das kohlensäurehaltige Quellwasser in die Badebecken von Frau Dumenyl.

14. Oktober 1809
Der Friede von Schönbrunn und Tirol

Schönbrunn - Tirol * Der Friede von Schönbrunn beendet die Erhebung Österreichs gegen Frankreich. Österreich muss Tirol wieder den Baiern überlassen. Das verbündete Tirol und ihre Anführer erhalten darüber jedoch keine Informationen.

28. Oktober 1809
Im Frieden von Schönbrunn wird Tirols Baiern überlassen

Tirol * Erzherzog Johann unterrichtet im Auftrag seines kaiserlichen Bruders die Tiroler Freunde über den Frieden von Schönbrunn und der Überlassung Tirols an Baiern. Der Tiroler Oberkommandant Andreas Hofer will daraufhin nach Innsbruck fahren und mit dem baierischen Kronprinzen Ludwig I. verhandeln. 

Da erscheint der Kapuzinermönch Joachim Haspinger, genannt „Pater Rotbart“, der Hofer - mit seiner Redekunst, aber auch mit Lügen - umstimmen will. Und der der Geistlichkeit hörige Andreas Hofer lässt sich umstimmen. Erzherzog Johann informiert auch den Südtiroler Josef Giovanelli über den Frieden von Schönbrunn. Daraufhin machen sich viele Aufständische auf den Nachhauseweg.

2. November 1809
Die Tiroler beschließen ein Unterwerfungsschreiben

Tirol * Ein französischer Offizier mit wichtigen Schriftstücken wird von den Tiroler Rebellen gefangen genommen. Die Dokumente enthalten eindeutige Beweise über die Richtigkeit des Schönbrunner Friedens, die auch die hartnäckigsten Zweifler überzeugen. 

Die Versammelten beschließen ein Unterwerfungsschreiben an Napoleons Adoptivsohn Eugéne Beauharnais, dem Vizekönig von Italien, der auch die den Tirolern zugestellte Friedensproklamation unterzeichnet hatte.

1820
Badbetrieb mit zahlreichen Erfrischungen

Bogenhausen *  Magdalena Dumenyl, die „Bad-Eigentümerin zu Brunnthal bei Bogenhausen“, preist in der Zeitung ihren Badebetrieb, „welcher eine ganz eigene unmittelbar aus dem Bogenhauser Berg abfließende Badquelle besitzt, [...] wo übrigens besonders zu zahlende Erfrischungen zu haben sind“. 

30. Mai 1820
Vorschlag: Ein Brunnenmonument auf dem Max-Joseph-Platz

München-Graggenau * Die künstlerische Konzeption des Max-Joseph-Denkmals liegt von Anfang an bei Kronprinz Ludwig I. und Leo von Klenze, der ein Brunnenmonument auf dem Max-Joseph-Platz vorschlägt. Das steht wiederum in einem engen Zusammenhang mit einem groß angelegten Wasserleitungs- und Brunnenprogramm, das für die Stadt eingerichtet werden soll und ihr Vorbild in dem napoleonischen Brunnenprogramm für Paris hat.

1822
Bernbrunn bringt den Staberl auf die Bühne

München-Angerviertel * Der aus dem Weinmüller-Ensemble Schauspieler Carl Andreas von Bernbrunn, ein Darsteller aus Wien, übernimmt das Königliche Theater am Isartor. Der aus der österreichischen Hauptstadt kommende Akteur bringt den Wiener „Staberl“ auf die Bühne. 

Der „Staberl“ ist in den Alt-Wiener Volkstheatern eine lustige Person, gekleidet mit einem roten Rock, grauem Hut, blaue Weste, Schnürstiefel á la Tyrolienne und mit einem dünnen, wegstehenden Zopf. Ursprünglich ist der „Staberl“ ein Wiener Bürger des Mittelstands mit dem Beruf eines Parapluimachers [= Schirmmacher], der sich in fremdartigen Verhältnissen ungelenk benimmt, sich aber durch Mutterwitz immer zu helfen weiß. Er wird folgendermaßen beschrieben: Er sei ein „lockerer Zeisig, der überall zu Hause ist und Dummheit mit Verschmitztheit vereint“.

Theaterstücke mit dieser Figur im Zentrum nannte man „Staberliaden“. Staberl ist auch mit den Darstellern Johann Nestroy und vor allem mit Carl Andreas von Bernbrunn, dem späteren Carl Carl verbunden, der schon in seiner Münchner Zeit Stücke für den „Staberl“ schreibt. 

29. Juni 1822
Ein Luxusbad im Brunnthal

Bogenhausen * Die Münchner strömen nach Bad Brunnthal, sodass Dumenyls Nachfolger das Anwesen beträchtlich erweitern kann und das Badeschloss aus einem gemauertem Gebäude mit 17 Zimmern, einem Speisesaal, Küchen, Keller und einem Pferdestall besteht. 

Anlässlich der Wiederöffnung der Badeanstalt gibt der neue Besitzer in der Münchener Politischen Zeitung bekannt, „dass in jedem Zimmer eine kupferne und blecherne Badewanne stehe, dass jeder das warme und kalte Wasser in dem Bad selbst einlaufen lassen könne, dass in jedem Badzimmer 1 Leibtuch in der Wanne, 1 Einschlagtuch statt dem Bademantel, 1 Handtuch und 1 Bodentuch, nebst Seife, sich befinde, und dass die Titl. Badegäste auf Verlangen mit Coffee, Chocolade, Wein, Bier und Liqueurs, dann Schinken, Käs und Butter, gegen billige Preise, bedient werden“. 

14. Januar 1823
Das Nationaltheater-Ensemble siedelt ins Isartor-Theater um

München-Graggenau - Angerviertel * Da das Königliche Hof- und Nationaltheater ein Opfer der Flammen wurde, siedelte das dortige Ensemble in das Theater am Isartor um, weshalb der Theaterdirektor Carl Andreas von Bernbrunn mit seiner Schauspielertruppe auf Tournee gehen musste. 

6. Dezember 1832
Prinz Otto macht sich auf den Weg nach Griechenland

Ottobrunn - Aibling * Der 17-jährige Bayernprinz Otto macht sich von der Münchner Residenz auf nach Griechenland, in sein neues Königreich. In Ottobrunn nimmt König Ludwig I. Abschied von seinem Sohn.

Königin Therese wird ihn noch bis nach Aibling begleiten. An der Brücke über die Mangfall wird sie sich - unter Tränen - von ihrem Sohn trennen.

20. Oktober 1833
Der Steinmetzmeister Anton Ripfel beginnt die Ottosäule

Haidhausen - Ottobrunn * Der in Haidhausen niedergelassene Steinmetzmeister Anton Ripfel beginnt mit den Arbeiten an dem 8,75 Meter hohen Ehrendenkmal in Form einer griechisch-dorischen Säule am Ortsrand von Ottobrunn, dem damaligen Hehenkirchner Forst. Die sogenannte Ottosäule trägt die Inschrift: „3 ¼ Stunden von München entfernt, wo Ludwig I., König von Bayern, von seinem edlen Sohn, Otto I. von Griechenland, am 6. Dezember 1832 Abschied nahm.“

Die Aufstellung der Ottosäule geschieht in Abstimmung mit dem Regenten. Da der huldigende Aspekt des Denkmals schon von Anfang an feststeht, wünscht König Ludwig I. solche Initiativen nicht nur, sondern erwartet sie geradezu.

13. Februar 1834
Die Ottosäule in Ottobrunn wird eingeweiht

Ottobrunn * Die Ottosäule in Ottobrunn wird eingeweiht. Sie trägt die antik gestaltete Büste des damals siebzehnjährigen griechischen Königs aus dem bayerisch-wittelsbachischen Herrscherhaus. Der Sockel ist mit Blattvoluten und Eckpalmetten verziert, die von Trophäen, Insignien und den Wappen der Königreiche Bayern und Griechenland umringt werden. Ein Löwe liegt zu Füßen des Sockels. Die künstliche Anhöhe, auf der sich die Ottosäule in Ottobrunn erhebt, wird erst in späterer Zeit mit Felsensteinen verkleidet werden. 

August 1836
In München bricht die erste Cholera-Epidemie aus

München - Vorstadt Au - Haidhausen * In München bricht die erste Cholera-Epidemie aus. Sie dauert bis Januar 1837.

  • 143 von 4.700 Bewohner Haidhausens sterben daran, das sind rund 3 Prozent.
  • 259 von rund 10.000 Bewohner der Au sterben daran, das sind rund 2,6 Prozent.
  • 1.061 von rund 100.000 Bewohner Münchens sterben daran, das sind rund 1 Prozent.

Von Übergriffen auf Ärzten wegen der Cholera wird berichtet: „Im Jahre 1836 hielt man in der Vorstadt Haidhausen dafür, daß die Aerzte den Leuten die Cholera erst ins Haus brächten, und sie wollten von ärztlichen Nachforschungen im Hause nichts wissen. Ja, es bestanden dort Vorurtheile, als ob die reichen Leute die Cholera machten, als leiser Nachklang der Brunnenvergiftungsfurcht durch die Juden im Mittelalter.  Es war daher das Aufsuchen und die Nachfrage in Haidhausen, ob im Hause keine Diarrhöen vorkämen, dem vorurtheilsvollen und ungebildeten Publikum gegenüber sogar mit persönlicher Gefahr verbunden“.

Bei den nächsten Epidemien spielten Vergiftungsvorstellungen keine Rolle mehr. Doch nachvollziehbar sind solche Theorien schon. So hält sich die Vorstellung, der Aids-Virus sei in einem amerikanischen Labor geschaffen worden, um die Schwarzen auszurotten, auch noch immer.

1837
Erbärmliche Lebensumstände in den Herbersvierteln

Vorstadt Au - Haidhausen - Giesing * Der Auer Armenarzt Anselm Martin schreibt: „In den Herbergen sind nicht nur Menschen, sondern auch noch alle Gattungen Hausthiere Katzen, Kaninchen, Vögel, Mäuse und dergleichen, so wie alle nur erdenklichen Handwerksgeräthe, Hausutensilien, alte, bereits halb verfaulte, zusammengesammelte Leinwand, zerbrochenes Glas, neugewaschene zum Trocknen aufgehängte Wäsche und dergleichen in den kleinsten, mit zurückstoßender Luft angefüllten Gemächern anzutreffen.  Die Öfen sind gewöhnlich von Ziegel, selten von Eisen. Die Feuerung geschieht mit Holz und zwar mit den schlechtesten und wohlfeilsten Holzgattungen, oft mit halbverfaulten, in der Isar aufgefangenen Gerten und Prügeln.“

  • Die Höhe der Wohnräume liegt bei 180 bis 192 Zentimetern; die Dachdeckungen aus Ziegel oder Blech lösen erst im 19. Jahrhundert die Schindel- oder Strohdeckung ab; ihre Galerien und Träger verzieren die Bewohner mit Schnitzereien.
  • Gemeinsamer Besitz aller Hausbewohner sind das Grundstück, die Umfassungsmauern und das Dach.
  • Diese komplizierten Eigentumsverhältnisse führen häufig zu ausgiebigen Streitereien. Wird das Dach undicht, so sind in erster Linie nur die Parteien des obersten Stockwerks vom Schaden betroffen, die Bewohner des Parterres dagegen haben nur sehr wenig Interesse an einer kostspieligen Reparatur. Deshalb soll es vorgekommen sein, dass die Oberen kübelweise Wasser auf den Fußboden schütteten, um die Unteren drastisch an die gemeinsamen Verpflichtungen zu erinnern.
  • Nicht umsonst heißt es in den Akten des Landgerichts: „So viele Herbergsbesitzer sich in einem Hause befinden, ebensoviele Hauseigentümer gibt es im selben; keiner lässt sich vom andern etwas einsprechen, jeder tut in seiner Herberge, was er will.“
  • Auch die hygienischen Zustände sind katastrophal. Das Trinkwasser muss von weit entfernten Pumpbrunnen geholt werden.
  • Da eigene Abtritte fehlen, benutzt man Häfen und Leibstühle.
  • Wegen der fehlenden Kanalisation werden Abfälle und Abwässer jeglicher Herkunft in den Auer Mühlbach geschüttet. Eine städtische Verordnung bestimmt deshalb, dass dies nur während der Nacht geschehen darf, da tagsüber die Frauen ihre Wäsche im Auer Mühlbach waschen.
  • Das Fehlen der Abfalltonnen bedingt viele unreinliche Wohnungen.
  • Dadurch sind die Herbergsviertel in Seuchenzeiten Brutstätten von Krankheiten. Es ist also kein Wunder, dass viele Bewohner an den Typhus- und Choleraepidemien sterben und die Einwohner oft hohen Blutzoll zu entrichten haben.
1847
Das Schyrenbad wird als städtisches Männerfreibad eröffnet

Untergiesing * Das Schyrenbad wird als städtisches Männerfreibad eröffnet. Schwimmen dürfen hier in der Anfangszeit nur Männer, da Gleiches für Frauen als unschicklich gilt.

Vorkämpfer für die Errichtung von Badeanstalten sind die Anhänger der deutschen Volksbadebewegung. Sie wollen durch eine Verbesserung der Körperpflege die sittliche Verwahrlosung und den sozialen Unfrieden in der Arbeiterbevölkerung abschaffen. Die minderbemittelte Bewohnerschaft soll einen Teil ihrer Freizeit in einer Badeanstalt verbringen können. Die Gruppierung teilt sich in die Befürworter der Regenerationsbäder und in jene, die den Reinigungsbädern den Vorrang einräumen.

Das städtische Männerfreibad wird damals vom Aubach oder Auerbach gespeist. Er zweigt im heutigen Tierpark Hellabrunn aus dem Auer Mühlbach ab. Nach dem Auslass unterhalb der Thalkirchner Überfälle wechselt der Bach seinen Namen in Freibadbächl.

Da das Wasser direkt aus der Isar kommt und schon aufgrund seiner Temperatur nicht unbedingt für das Badevergnügen einladend ist, muss das Wasser erst in zwei großen, flachen Aufwärmseen gesammelt und wird erst danach dem Schyrenbad zugeführt. Einer dieser Aufwärmseen hat sich noch bis heute im Rosengarten erhalten. Kein Wunder also, dass selbst der Münchner Magistrat das Schyrenbad als „ein hervorragendes Bad“ bezeichnet.

Das Schwimmbad war etwa dreihundert Meter lang und rund zwanzig Meter breit. Es verfügt über einen schönen Baumbestand und über ein angenehmes Bachwasser, das „stets mild bleibt“.

Das Freibadbächl fließt heute unterirdisch durch das Schyrenbad und mündet als Freibad-Auslaufkanal zwischen der Reichenbachbrücke und der Corneliusbrücke in die Kleine Isar zurück.

11. Februar 1848
Lola Montez muss vor den aufgebrachten Münchnern fliehen

München-Maxvorstadt - Schloss Blutenburg * Am Morgen belagert eine aufgebrachte Menge das Palais Montez in der Barer Straße. Die ersten Steine fliegen, ein Eingreifen des Militärs wird als aussichtslos angesehen. Der Bayerische Innenminister Franz von Berks meint sogar: „Die Position an der Barer Straße ist unhaltbar“ und befürchtet, „die Gräfin könne eine Stunde nach dem Angriff eine Leiche sein.“ 

Auch der Polizeidirektor will für Lolas Sicherheit nicht mehr garantieren und erklärt ihr, sie müsse innerhalb einer Stunde die Stadt verlassen. Da bleibt nur die Flucht. Lola Montez entkommt in einer Kutsche, die sie im Eiltempo aus der Stadt bringt. Das Palais der Gräfin von Landsfeld wird danach gestürmt - eine Verwüstung der Villa aber verhindert.  

Lola Montez flieht - eskortiert und bewacht von einem Tross, den Graf von Arco-Stepperg anführt - über die Vorstadt Au nach Baiersbrunn. Dort verlassen sie ihre Bewacher. Nun begibt sie sich über Schleichwege über Großhesselohe nach Schloss Blutenburg. Der Wirt meldet das Versteck, weshalb die Polizei die sich auf der Flucht befindliche Gräfin von Landsfeld festnimmt, sie nach Pasing bringt und in den Zug nach Augsburg setzt. 

um 1850
Die Bezeichnung Stepperg wandert in die Isarauen

Bogenhausen * Auf Stadtplänen aus der Zeit nach 1850 wandert die Bezeichnung Stepperg von der Isarhochkante in die Isarauen hinunter, an jenen Ort, an dem einst die Ökonomiegebäude, Remisen, Heustadeln, das Brunnhaus und die Glashäuser des Montgelas’schen Naturgar­tens standen. Heute befindet sich dort der Kufsteiner Platz mit der anschließenden Wohnbebauung. 

6. November 1850
Ein Gutachten für den Bau der Maximilianstraße

München-Graggenau - München-Lehel * Der Vorstand der Obersten Baubehörde, Direktor Schierlinger, gibt ein Gutachten ab, worin er die Durchführung der projektierten Straße „als eine gerade Verbindung des Max-Joseph-Platzes mit Brunntal“ für möglich hält, gleichzeitig aber auch auf die zu erwartenden Terrainschwierigkeiten hinweist.

Das Gebiet rund um die heutige Maximilianstraße ist ein von zehn mehr oder weniger großen Bächen durchzogenes Isar-Schwemmland, in dem zahlreiche Mühlen liegen. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ist das Verfüllen der Bäche und eine damit verbundene Stilllegung der Mühlen nicht möglich. Außerdem fällt das Gelände zur Isar hin deutlich ab, weshalb auf der ganzen Strecke ein Niveauausgleich vorgenommen werden muss.

1. Oktober 1854
Au, Giesing und Haidhausen werden nach München eingemeindet

München-Au - München-Haidhausen - München-Giesing * Eingemeindung nach München 

  • der Vorstadt Au mit den Gemeindeteilen Niedergiesing und Nord-Falkenau,
  • die selbstständige Gemeinde Haidhausen und
  • die Gemeinde Giesing mit den Gemeindeteilen Obergiesing, Lohe, südliche Falkenau, Pilgersheim, Birkenleiten, Siebenbrunn, Hellabrunn, Harlaching, Soyerhof, Stadelheim und Menterschweige. 

Dadurch erhöht sich die Bevölkerungszahl Münchens um 20.662 Einwohner. Davon kommen aus der Au 10.840, aus Haidhausen 6.273 und aus Giesing 3.549 Menschen. Damit wächst zusammen, was zusammen gehört, den die Bewohner der drei Vorstädte gehörten schon immer „funktional“ nach München.

Die Au ist zu diesem Zeitpunkt die zehntgrößte Stadt des Königreichs Bayern. Der Burgfrieden von München, der sich durch Korrekturen seit dem Jahr 1724 von 1.593 Hektar auf rund 1.700 Hektar erweitert hat, verdoppelt sich nahezu. Mit der Au [87 ha], Haidhausen [296 ha] und Giesing [1.287 ha] vergrößert sich das Stadtgebiet um weitere 1.670 Hektar. Wegen der noch grassierenden Cholera-Epidemie erfolgt der Eingemeindungsakt ohne großes Aufsehen.

1858
Die Dr. Steinbach Naturheilanstalt im Bogenhausener Brunnthal

Bogenhausen * Die „Leipziger Illustrierten“ loben die damalige „Dr. Steinbachs Naturheilanstalt“ im Brunnthal, die sich einen international bekannten Namen gemacht hat: „Auf mit weichen Teppichen belegtem Boden schreitet man in ein großes Viereck, an dessen Wänden, mit dunklem Farbgrund bedeckt, feenhafte Figuren schweben, von Künstlerhand gemalt; vom reichen Plafond herab beleuchtet ein magischer Lichtstrahl die Räume, wo Ruhebänke, Stühle und Tische mit kostbaren Stoffen umkleidet sind, und in sinnvoller Ordnung von schimmerndem Metall stehen reichlichst die verschiedenartigsten Apparate zum Heilbehelfe“. 

Die Heilbehandlung ist, „insbesondere wirksam bei Verstopfungen, wodurch die wurmartige Bewegung der Därme erreicht wird. Ferner in allen Fällen von Unterleibsschwäche und Impotenz, Muskellähmungen, Stimmlosigkeit, Schwerhörigkeit“. 

1860
Ein vielgeliebter Bade- und Vergnügungsort

Bogenhausen * Die Zeitschrift „Heimgarten“ berichtet über das Bad Brunnthal: In diesem „vielgeliebten Bade- und Vergnügungsorte“ treffen sich „Menschen aller Nationen. Amerika schickt seine Söhne hier her, von der Wolga und von der Themse kommen Freunde und gehen wieder, um den Ungarn und dem Levantiner Platz zu machen. Und wie wundert sich nun der osmanische Kurgast, der hier im Schatten seinen Mocca schlürft, wenn er hört, daß einst der Besieger seiner Ahnen, der sarazenenschlagende Max Emanuel, diesen Ort zum Aufenthalte für die verwaisten Kinder seiner Helden bestimmt hatte“. 

Januar 1863
Zukäufe für den Zoologischen Garten

München-Englischer Garten - Schwabing * Der Großhandelsaufmann Benedikt Benedikt vergrößert durch Zukäufe sein für einen Zoologischen Garten vorgesehenes Grundstück am Westrand des Englischen Gartens. Es hat jetzt die Größe von sechs Fußballfeldern und ist damit etwa ein Zehntel des heutigen Tierparks Hellabrunn.

Die landschaftliche Anlage des Zoologischen Gartens übernimmt der königliche Hofgärtner August Klein. Die Bauten erstellt der Münchner Architekt Carl Schönhammer. Als nächstes werden Tiere angeschafft, die das Münchner Klima vertragen müssten.

6. Juni 1864
Besprechung zur Gründung eines Konsumvereins

München-Hackenviertel * Im Kreuzbräu an der Brunnstraße findet eine Besprechung zur Gründung eines Konsumvereins, also eines Vereins zur möglichst billigen Beschaffung von Lebensmitteln, statt. Man diskutiert dort die Erfahrungen aus anderen Städten und schlägt die Schaffung eines Gründungskomitees vor. 

Februar 1867
Noch eine Interessengemeinschaft zur Ostbahnhof-Standortfrage

München-Au - München-Giesing - München-Haidhausen * Noch eine Interessengemeinschaft zur Standortfrage des Ostbahnhofs tritt auf. Ihr gehören Handels- und Gewerbetreibende aus der Au, Giesing, Haidhausen und südlicher Stadtteile an.

  • Sie wollen einen Südbahnhof in Untergiesing, südlich des im Jahr 1847 als Männerfreibad eröffneten Schyrenbades installiert sehen.

Der Bahnhof soll die Anlage eines ausgedehnten Industrieviertels in den Isarauen ermöglichen. Ein Vorschlag, der heute möglicherweise Erstaunen hervorruft. Aber am Auer Mühlbach war von Hellabrunn bis hinauf zur Bäckerkunstmühle sogar ein Gebiet für schwerindustrielle Güter im Entstehen.

Mit den genannten Vorschlägen liegen vier Standorte für einen Bahnhof und zwei alternative Streckenführungen zur Auswahl:  

  • eine innere, unmittelbar am Haidhauser Zentrum, und
  • eine äußere, am östlicher gelegenen Kuisl-Anwesen vorbeiführende Linie. 
1875
Die Münchner Trinkwasserversorgung

München * Die städtischen Brunnwerke speisen 60 öffentliche Brunnen und 2.203 Häuser. Auf die Hofbrunnwerke fallen neun öffentliche Brunnen und 960 Häuser. Das Rohrsystem ist 120 Kilometer lang. Davon entfallen 80 Kilometer auf die Stadt und 40 Kilometer auf den Hof. Von den 7.382 Anwesen der Stadt sind 4,219, also 57 Prozent, ohne laufendes Wasser.

1. Mai 1883
Mangfall-Wasser für den Schmederer-Garten

München-Au * Die Wasserleitung aus dem Mangfallgebirge ist fertiggestellt und wird mit einer Springbrunnenfontaine am Sendlingertorplatz feierlich in Betrieb genommen.

Das Wasser wird in der Schmederer-Villa sowohl für den häuslichen Bedarf genutzt, aber auch um den geplanten Teich anzulegen und den wasserspeienden Pegasus in Betrieb zu nehmen. Im ganzen Garten wird ein Rohrnetz verlegt, das auch zum Löschen benutzt werden kann, sollte einmal ein Funkenflug der Eisenbahn ein Feuer entzünden. 

1888
Eine Leimfabrik für Hellabrunn

Giesing * Der Fabrikant Julius Kremser stellt bei der Lokalbaukommission den Antrag, auf dem Anwesen Nr. 1 in Hellabrunn eine Leimfabrik zu errichten. Unter der Bedingung, dass Kremser seine Fabrik, nicht wie geplant, direkt an die Straße nach Harlaching baut, stimmt die Behörde dem Antrag zu. 

1. November 1891
Prinzregent-Luitpold-Terrasse eröffnet

München-Haidhausen * Die Prinzregent-Luitpold-Terrasse wird der Öffentlichkeit übergeben. Da das Terrain angehoben werden musste, war eine Menge Aushub von anderen Baustellen notwendig. Zumindest ein Teil des verwendeten Materials stammte vom Bau des Kgl. Hofbräukellers an der Inneren-Wiener-Straße. 

Die Anlage besteht aus einer Abschlusswand am Hang, die durch Nischen gegliedert ist, mit zwei gegenläufigen Treppenaufgängen. Der nur wenig über dem Straßenniveau liegende Vorplatz hat ein Bassin mit Mittelfontäne und vier wasserspeienden Delphinreitern erhalten. Diese waren ursprünglich für den Fortuna-Brunnen vor Schloss Herrenchiemsee bestimmt. 

1. Januar 1892
Bogenhausen wird nach München eingemeindet

München-Bogenhausen * Die bis dahin selbstständige Gemeinde Bogenhausen wird mit den Gemeindeteilen Brunnthal, Neuberghausen und Priel mit seinen 1.570 Einwohner auf 441 Hektar nach München eingemeindet.

9. November 1893
Ein monumentaler Brunnen am Weißenburger Platz als Sieges-Monument

München-Haidhausen * Der Haidhauser Gemeindebevollmächtigte und Wachsfabrikant Anton Forster schlägt „Zum Gedenken an die 25. Wiederkehr der glorreichen Siege von 1870/71“ dem Kollegium der Gemeindebevollmächtigten einen monumentalen Brunnen am Wörthplatz, dem heutigen Weißenburger Platz, vor.

 

1894
Der „Velociped-Club-Wild-West“

München * Die Indianer- und Cowboy-Romantik geht eine Verbindung mit dem neu aufgekommenen Radsport ein. Der Fahrradpionier Heinrich Zierle gründet in einem Wirtshaus an der Landsberger Straße den „Velociped-Club-Wild-West“.

Die Fahrräder dienen den in Cowboy- und Indianerkostümen gekleideten Hobby-Westmänner als Mustang-Ersatz. Über das Parkett ihrer Minirennbahn jagen die Radfahrer lassoschwingend und peitschenknallend im Kreis. Das benutzte Holzrondell ist nicht viel größer als der Fischbrunnen am Marienplatz.

1894
Der Bildhauer Matthias Gasteiger schenkt München das Brunnenbuberl

München-Kreuzviertel * Der Bildhauer Matthias Gasteiger schenkt seiner Heimatstadt die Brunnengruppe Satyrherme & Knabe, die im Volksmund als „Brunnenbuberl“ bezeichnet wird. Es ist sein  berühmtestes Werk, für das er 1892 im Glaspalast eine Goldmedaille erhalten hatte und für das er weitere Auszeichnungen in Berlin und Wien bekam, wo er sogar das „besondere Wohlgefallen“ des Österreichischen Erzherzogs fand. 

Das Kunstwerk zeigt einen Knaben und eine Satyrherme. Während das Buberl spielerisch das Rohr an der Herme zuhält, spritzt aus dem Mund des Satyrn ein Wasserstrahl auf den Kopf des Jungen. Und obwohl die Münchner Kunstkritiker Matthias Gasteigs Werk als „prächtige Bereicherung“ Münchens bezeichnen, haben die Münchner Stadtväter große Probleme mit dem nackten Buberl.

1. März 1894
Friedensmonument am Weißenburger Platz

München-Haidhausen * Der Antrag des Haidhauser Gemeindebevollmächtigte und Wachsfabrikant Anton Forster zur Errichtung eines monumentalen Brunnens am heutigen Weißenburger Platz wird genehmigt. 

Im Verlauf der Planungen nimmt man vom Standort Wörthplatz [= Weißenburger Platz] Abstand, da abzusehen war, dass sich die Weißenburger Straße zu einer Hauptverkehrsader entwickeln würde und entscheidet sich für das Forum in der Wörthstraße, dem heutigen Bordeauxplatz. 

Weitere Vorschläge folgen. Universitätsprofessor Johann Nepomuk Sepp konkretisiert die Planungen, indem er der Abgeordnetenkammer in einem „leidenschaftlichen Appell an das deutsche Nationalgefühl“ ein Thema aus der Siegfried-Sage vorschlägt. Als Hauptfigur soll Siegfried in dem Augenblick dargestellt werden, als er aus der Quelle Wasser schöpft und Hagen nach seiner einzigen verwundbaren Stelle Ausschau hält. 

um April 1894
Standortsuche für das Sieges-Denkmal

München-Haidhausen * Das Stadtbauamt erklärt sich mit dem Vorschlag eines „Siegfried-Brunnens im Forum der Wörthstraße“ [= Bordeauxplatz] einverstanden. Der Verwaltungsrat der Prinzregent-Luitpold-Stiftung, der die Finanzierung des Denkmals übernehmen soll, erklärt aber, dass der Standort nicht zwingend in Haidhausen sein müsse. Erstmals wird die Prinzregent-Luitpold-Terrasse in die Diskussion einbezogen. Somit stehen drei mögliche Aufstellungsorte für das „Denkmal der glorreichen Siege der bayerischen Truppen von 1870/71“ zur Verfügung: 

  • das Forum in der Wörthstraße, 
  • der Orleansplatz und 
  • die Prinzregent-Luitpold-Terrasse.
20. Oktober 1894
Der Sankt-Anna-Brunnen

München-Lehel * Der Sankt-Anna-Brunnen an der Südwestecke des Kirchenvorplatzes wird enthüllt. Gabriel von Seidl hat den Brunnen entworfen, Professor Anton Pruska ausgeführt. 

1895
So etwas „Unanständiges“ wie die Brunnengruppe Satyrherme & Knabe

München-Ludwigsvorstadt * Nach Auffassung des Münchner Magistrats kann man so etwas „Unanständiges“ wie die Brunnengruppe Satyrherme & Knabe des Bildhauers Matthias Gasteiger unmöglich an einem viel besuchten Platz aufstellen, weshalb der Brunnen in die Nähe des Toilettenhäuschens in der Stachusgrünanlage zur Aufstellung kommt. Aber so gut kann man das Brunnenbuberl gar nicht verstecken, dass sich nicht doch Moralapostel und Sittlichkeitsvereine über diese „Sauerei“ ereifern.

Es kommt zum Skandal, in deren Folge der Münchner Polizeipräsident bei Matthias Gasteiger vorspricht, um ihm „allen Ernstes zu erklären, daß das Bildwerk höchst anstößig sei und dass das Interesse der Aufrechterhaltung der Moral und guten Sitten unbedingt erfordere, dass 'etwas' geschehen muss“.

Matthias Gasteiger unternimmt nichts. Er will keinesfalls ein Feigenblatt an seinem Buberl akzeptieren.

Januar 1899
Eine Nietenfabrik in Hellabrunn

München-Giesing * Der Fabrikant Johann Feßler erwirbt das 58 Tagwerk große Anwesen Nr. 5 und 6 (Hellabrunn) in Harlaching, um dort eine Nietenfabrik zu errichten. Für das Gelände unterhalb der Harlachinger Kirche bezahlt er 550.000 Mark. Der im Oktober 1899 von der Lokalbaukommission München eingeforderte Plan beschreibt die projektierten Fabrikanlagen: 

  • I. - Kraftanlage und Maschinenhaus, 
  • II. - Kaltnietenfabrik, 
  • III. - Warmnietenfabrik, 
  • IV. - Magazin-Gebäude, 
  • V. - Mechanische Werkstatt. 
Oktober 1899
Empörung über die Nietenfabrik in Hellabrunn

München-Giesing * Harlachinger Anlieger empören sich über das Vorhaben des Fabrikanten Johann Feßler, in Hellabrunn eine Nietenfabrik zu errichten. Jakob Heilmann schreibt, dass er die Nähe „einer derartigen Fabrik bei einer Villenanlage unmöglich gutheißen“ könne. Außerdem würden die im städtischen Sanatorium in Harlaching untergebrachten Kranken durch Ruß und Qualm geschädigt. Heilmann hatte natürlich Angst, er könnte seine Häuser und Grundstücke in der „Gartenstadt Harlaching“ nur mehr sehr schlecht und mit finanziellen Einbußen verkaufen. 

Dezember 1899
Theodor Fischers Bebauungskonzept für die Kohleninsel

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Stadtbaumeister Theodor Fischer entwickelt ein neues Bebauungskonzept für die Kohleninsel. Eine kleine Idealstadt soll entstehen, „umrauscht von der Isar und mit Blick auf die Alpen“. Nach Fischers Vorstellungen soll „um einen mit Brunnen und Monumenten geschmückten Platz, ähnlich den Marktplätzen in manchen Tiroler und altbayerischen Städten, gruppieren sich die verschiedenen malerischen Bauten mit offenen Lauben und Säulenhallen zu einem reizenden architektonischen Gesamtbild“.

Die Bebauung der Kohleninsel sollte eine Art Münchner Gegenstück zur Mathildenhöhe von Darmstadt werden. Doch der Magistrat lehnt die Planungen ab.

März 1900
Antisemitische Ausschreitungen im Kreuzbräu

München-Hackenviertel * Als der Wiener Gemeinderat Lucian Brunner im Münchner Kreuzbräu im Auftrag des Historikers und Pazifisten Ludwig Quidde für den liberalen Demokratischen Verein einen Vortrag halten soll, kommt es durch Parteigänger der Christlich-Sozialen-Vereinigung zu Ruhestörungen und einer Massenschlägerei.

Als Quidde das Rednerpult betritt, „ging ein wütendes Gejohle und Gepfeife an, unterbrochen von Rufen: [...] „Raus mit dem Juden".

Am Veranstaltungslokal bringen die Antisemiten ein Plakat mit folgender Aufschrift an: „Hier werden wegen Kohlemangels Juden verbrannt“.

15. Juli 1901
Der Glaspalast-Brunnen wird vor dem Ostbahnhof aufgebaut

München-Haidhausen * Der aufwändige, mit romanischen und gotischen Ornamenten geschmückte Schalenbrunnen aus dem Münchner Glaspalast wird vor dem Ostbahnhof neu aufgestellt und in Betrieb genommen. 

Der Glaspalastbrunnen war 1879 abgebaut und in der Zwischenzeit in einem Bauhof einglagert worden. 

1902
Kontroverse Diskussionen um die Hellabrunner Nietenfabrik

München-Giesing * Das Protokoll einer Sitzung des Münchner Magistrats macht deutlich, dass die Meinungen über die Nietenfabrikanlage von Johann Feßler in Hellabrunn so kontrovers wie zu Beginn der Planungen geführt wird. 

  • Die industriefreundlichen Befürworter betonen, die Fabrikanlage sei durch die Isarauen „dem Auge des Spaziergängers vollkommen entrückt“. Außerdem habe die Stadtverwaltung absolut keine Veranlassung, der Entwicklung des Gewerbes und der Industrie schädigende Hindernisse in den Weg zu legen, vielmehr habe sie alle Ursache, die Entwicklung der Industrie zu fördern. 
  • Der Gemeindebevollmächtigte Heller betont, er selbst sei Naturfreund „und mir ist auch ein schöner Baum lieber, als ein rauchender Kamin, aber Ausnahmen müssen in diesem Falle unbedingt bei einem so ehrenwerten Bürger Münchens gemacht werden“. 
  • Dagegen wendet der Gemeindebevollmächtigte Dr. Dürck ein: „Bürgerfreundlichkeit ist eine schöne Tugend, aber der Magistrat ist nicht bürgerfreundlich, der einem einzelnen Bürger zuliebe etwas geschehen lässt, was die Gesamtbürgerschaft auf endlose Zeit hinaus schädigt und belästigt.“ 

Es entwickelt sich ein Streit zwischen fundamentalistisch fortschrittsgläubigen und „grün-konservativen“ Stadträten. 

Juni 1903
Die Stadt kauft Teile von Hellabrunn

München-Giesing * Johann Feßlers Nietenfabrik-Plan in Hellabrunn scheitert endgültig, als die Stadt München die Hälfte des Geländes der sogenannten „Feßler‘schen Gründe“ unterhalb von Harlaching für über 600.000 Mark von dem Fabrikanten erwirbt. 

20. April 1904
Für einen Tiergarten in Hellabrunn

München-Giesing * Eine Versammlung aus Befürwortern eines Münchner Zoos einigt sich auf Hellabrunn als künftigen Standort. Natürlich äußern sich die Bedenkenträger wieder lautstark und bemängeln, dass der Platz für den Tierpark so weit draußen wäre. 

  • Doch der Zoologische Garten befindet sich natürlich im Münchner Burgfrieden und es war jedermann klar, dass „ein Terrain, das für einen Zoologischen Garten in Frage käme, inmitten der Stadt überhaupt nicht vorhanden ist. Es kommt also nur die Peripherie in Betracht.“ Das Hellabrunner Gelände im südlichen Isartal zwischen Harlaching und der Marienklause gelegen, ist das Beste für diesen Zweck, denn hier war „die Luft wegen der in München vorherrschenden West- und Südwinde reiner als in allen übrigen Teilen der Stadt“. 
  • Weitere Vorteile ist der schier unendliche Wasserreichtum, ein alter, hoher Waldbestand in der Isarauen-Landschaft, der dicht bewaldete Harlachinger Isarsteilhang, der das Gelände vor Wind und Wetter schützte und eine malerische Kulisse für einen Zoologischen Garten bietet sowie die Wiesen, die den ganzen Tag von der vollen Sonne beschienen sind.
27. Februar 1905
Der Zoologische Verein will die kostenlose Überlassung Hellabrunns

München-Giesing * Zur Verwirklichung des Projekts Zoologischer Garten Hellabrunn rechnet man mit einer Summe von rund einer Million Mark. Zwei Tage nach der Gründung des Zoo-Vereins wendet sich dieser an den Magistrat der Stadt mit der Bitte, um kostenlose Überlassung von Hellabrunn. 

Die Antwort des Bauausschusses lautet: „Die Stadt ist zur Zeit noch nicht in der Lage, dem Verein irgend ein Grundstück zu überlassen.“

6. Dezember 1905
Aussicht auf Grundübertragung mit Auflagen

München-Giesing *  Die beiden Gemeindekollegien beschließen am 6. November beziehungsweise am 6. Dezember 1906 die Überlassung von Hellabrunn für den Tierpark mit Auflagen. 

Die Stadt München überlässt dem Verein Zoologischer Garten die Grundstücke südlich der Thalkirchner Brücke kostenlos für 60 Jahre nur unter der Bedingung, dass der Verein innerhalb von fünf Jahren das fehlende Gelände beschafft und genügend Geld für Bau und Betrieb des Zoos aufbringt.

1907
Ein wasserbautechnischer Salto mortale am Beginn des Auer Mühlbachs

München-Giesing * Der Ursprung des Auer Mühlbachs ist nicht mehr auf der rechten Isarseite. Vielmehr steht nun an seinem Anfang ein wasserbautechnischer Salto mortale - denn seine Auslassstelle befindet sich jetzt auf der linken Seite des Isarufers. Dazu muss ein Düker unter der Rest-Isar durchgeführt werden. 

Bei einem Düker handelt es sich um ein U-förmiges Rohr, das unterirdisch durch den Fluss geführt wird. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren fließt das ankommende Wasser auf seiner ursprünglichen Höhe in den Düker hinein, füllt diesen aus und steigt auf der gegenüberliegenden Flussseite wieder auf die vorherige Höhe an, so dass es den Düker wieder verlassen kann. 

Der Auer Mühlbach-Düker ist 168 Meter lang. Sein Verlauf ist parallel zur Marienklausenbrücke ablesbar, die allerdings erst in den Jahren 1919 und 1920 von der Stadt München für Fußgänger im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erbaut wurde. 

Den Düker verlässt der Auer Mühlbach - von dem meisten Spaziergängern und Besuchern vollkommen unbemerkt - im Tierpark Hellabrunn.

1910
Emanuel von Seidl plant den Tierpark Hellabrunn

München-Giesing * Der Architekt Emanuel von Seidl erstellt den „künstlerischen Generalplan“ für den Tierpark, den er dem Zoologischen Verein zum Geschenk macht. 

Unter geschickter Ausnutzung des Hanggeländes mit seinen gewachsenen Nagelfluhfelsen und der vom Auer Mühlbach durchflossenen Auenlandschaft erschafft er eine naturnahe Tierhaltung. Sein Vorbild ist - auf ausdrücklichen Wunsch des Tierpark-Vereins - der Stellinger Tierpark von Carl Hagenbeck, wobei die landschaftlichen Voraussetzungen in Hellabrunn völlig andere waren als beim vermeintlichen Hamburger Zoo-Vorbild. 

1. August 1911
Thalkirchner Brücke alias Tierparkbrücke

München-Giesing * Spätestens seit der Eröffnung des Tierparks Hellabrunn führt der Flussübergang über die Isar den Namen „Tierparkbrücke“, auch weil sie direkt zum Haupteingang des Zoos führt. 

1. August 1911
Der Tierpark Hellabrunn wird feierlich eröffent

München-Giesing * Bei strahlendem Sonnenschein öffnen sich um halb zehn Uhr die Tore des Tierparks Hellabrunn am Haupteingang, dem heutigen Isar-Eingang. Viele Prominente sind gekommen. Die Festlichkeiten finden im Waldrestaurant statt. 

  • Bei der Tierpark-Eröffnung sind knapp zwei Drittel des Hellabrunner Areals bebaut und angelegt worden. Wichtige Gebäude wie das Dickhäuterhaus, das Aquarium sowie weitere Tiergehege fehlen aber noch.
  • Der Tierpark besitzt 212 Säugetiere sowie 323 Vögel und Reptilien. Der Tierbestand ist demnach überschaubar. Die Haltungsbedingungen sind unzureichend, Nachzuchten die große Ausnahme.
1. August 1914
Der Kriegsbeginn verschlechtert die Situation im Tierpark Hellabrunn

München-Giesing * In den Friedensjahren von 1911 bis zum Kriegsbeginn am 1. August 1914 hat der Tierpark einen Überschuss von 80.000 Mark erwirtschaftet. Doch die Baukosten von 295.000 Mark und die dafür aufgenommenen Kredite belasten das Tierpark-Unternehmen dann doch sehr. 

Mit dem Kriegsbeginn verschlechtert sich die Situation im Tierpark Hellabrunn zusehend. 

  • Sofort werden 15 Mitarbeiter zum Dienst an der Waffe eingezogen. 
  • Der Mangel an ausreichendem Futter für die Tiere verstärkt sich im Laufe der Zeit. 
  • Neue Tiere können nicht mehr angeschafft werden, 
  • andere Zoobewohner verenden an Mangelernährung, 
  • das Besucherinteresse geht drastisch zurück. 
14. November 1914
Das Hellabrunner „Dickhäuterhaus“ wird eröffnet

München-Giesing * Das „Dickhäuterhaus“ im Tierpark Hellabrunn kann - kurz nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs - eröffnet werden. Es ist - orientiert an der zeitgenössisch beliebten Orientmode - im maurischen Stil errichtet worden. Auf seinen Mauern ruht die erste freitragende Beton-Glaskuppel der Welt. 

Bewohnt wird das „Dickhäuterhaus“ von Elefanten, Nashörnern, Flusspferden und Tapiren. 

31. Januar 1918
Polizei-Attacken gegen die streikenden Arbeiter

Berlin * Am Humboldtshain im Stadtviertel Gesundbrunnen wächst die Zahl der demonstrierenden Menschen immer stärker an. Dem Großaufgebot der berittenen Gendarmerie stellt sich eine Menschenmenge entgegen und ruft: „Schluss mit dem Völkermorden!“

Da ziehen die Polizisten ihren Säbel und sprengen nach Art einer Kavallerie-Attacke in die Menge hinein. „Gellende Schreie und Protestrufe wurden laut. Stöhnend sank ein Arbeiter zu Boden. Daraufhin wurden die Berittenen umringt. Ein Reiter stürzte, andere wurden vom Pferd gerissen“, schreibt ein Augenzeuge. 

um 14. Oktober 1918
Aus Bronzefiguren soll Kriegsmaterial werden

München * In zwei Listen werden Bronzefiguren aufgeführt, die den Metallbedarf der Rüstungsbetriebe geopfert werden sollen. Die erste Liste beinhaltet Werke, auf die man ersatzlos und für immer verzichten will. Dazu gehört unter anderem die Schwind-Büste auf der Praterinsel, das Senefelder-Denkmal, ein Germaniabrunnen und das Brunnenbuberl, das sich seinerzeit noch in der Anlage in der Sonnenstraße befindet.

Auf der zweiten Liste stehen Werke die nach dem Krieg wieder rekonstruiert werden sollen. Dazu zählt unter anderem das Maxmonument, Standbilder von Schiller und Goethe und der Wolfsbrunnen am Kosttor. Die nur wenig verbleibende Zeit bis zur Revolution rettet die Bronzeplastiken und macht sie zu den Gewinnern der Revolution und der neu entstandenen Demokratie. 

1. Januar 1919
Schießerei im Katholischen Gesellenhaus

München-Hackenviertel * Im Katholischen Gesellenhaus in der Brunnstraße kommt es in den frühen Morgenstunden zu einer Auseinandersetzung zwischen der aus Soldaten, Matrosen und Zivilpersonen bestehenden Tanzgesellschaft und dem Sicherheitsdienst.  

Im Verlauf fallen Schüsse, die die Militärpolizei und die Republikanische Schutztruppe mit Handgranaten beantworten. Zahlreiche Personen werden verletzt, davon sieben schwer. 

1. Mai 1919
Das schwerverwundete Brunnenbuberl

München * Bei den Kämpfen am Karlsplatz erhält das Brunnenbuberl der Brunnengruppe Satyrherme und Knabe des Bildhauers Matthias Gasteiger, das sich in der Nähe des Toilettenhäuschens in der Stachus-Grünanlage befindet, zwei Einschüsse.

Die dazu veröffentlichte Postkarte trägt die Mitleid erweckende Beschriftung: „Unser schwerverwundetes Buberl“

1. Mai 1919
Kämpfe: Der Stachus-Kiosk brennt lichterloh

München * Am Nachmittag dringen eigenmächtig operierende Freikorps von der Residenz aus bis zum Lenbachplatz vor. Die Marine-Brigade Ehrhardt erreicht - von Schleißheim kommend - gegen Mittag Schwabing und beteiligt sich später an den Kämpfen am Stachus. Auch aus Regensburg stammende Soldaten sowie Angehörige des Freikorps Grafing und die Batterie Zenetti sind an diesen Kämpfen beteiligt. Dort entfacht sich ein mehrstündiges Gefecht.

Die Rotarmisten leisten erbitterten Widerstand und verteidigen den Stachus mit Gewehrfeuer. Ein Zeitzeugenbericht schildert die weiteren Ereignisse:

„Mittlerweile hatten die Regierungstruppen bei der Anlage an der Deutschen Bank ein Geschütz in Stellung gebracht und eine Brandbombe in den Kiosk gesetzt, der bald lichterloh aufflammte und die Roten Gardisten zwang, ihren verzweifelten Widerstand aufzugeben und sich gegen die protestantische Kirche und das Kaufhaus Horn zurückzuziehen. Bald war der Karlsplatz zum wütendsten Kampfplatz geworden. […]

Gegen Abend bekamen die Regierungstruppen Verstärkungen von der Herzog-Wilhelm-Straße und dem Sendlingertor-Platz her. Die Rotgardisten wurden über den Karlsplatz in den Justizpalast und gegen die Elisenstraße geworfen, von wo aus sie heftigen Widerstand leisteten.

Das an der Deutschen Bank postiert gewesene Geschütz wurde infolgedessen bis zum Wittelsbacher-Brunnen zurückgezogen und beschoss in den Nachmittagsstunden den Justizpalast, der an der gegen den Stachus gerichteten Seite zwei Treffer im dritten Stock erhielt. […] Viele Spartakisten flüchteten in den Mathäser“.

Doch es gibt auch Gegenwehr von anderer Seite, die die Weißen Truppen letztlich zum Abziehen zwingen. Dazu zählen auch die Teilnehmer der Maikundgebung auf der Theresienwiese, die dort „waffenlos demonstriert“ haben und sich nun auf dem Nachhauseweg befinden. 

19. Juni 1921
„Die Maibraut“ im Freilufttheater im Tierpark

München-Giesing * Im Tierpark Hellabrunn wird auf einer Bühne das Theaterstück „Die Maibraut“ von Ernst von Wolzogen aufgeführt. Um eine Naturbühne zu errichten, musste man am Harlachinger Hang eigens Erdmassen aufschütten. 2.000 Zuschauer finden in dem Freilufttheater Platz und können der Hellabrunner Uraufführung beiwohnen. 200 Personen wirken bei der Aufführung auf der Bühne mit. Der Ort des Geschehens ist ein germanischer heiliger Hain.

1. August 1921
Ehrenkränze für Zoo-Tiere

München-Giesing * Zum zehnjährigen Bestehen des Tierparks Hellabrunn gibt es zwar wenig Grund zum Feiern, dennoch erhält jedes Tier, das sich seit dem Gründungsjahr 1911 im Münchner Zoo befindet, einen Eichen-Ehrenkranz umgehängt. - Sehr nobel !

13. März 1922
Der Tierpark Hellabrunn soll aufgelöst werden

München-Giesing * Die Inflation hat sich ab 1919 immer mehr ausgeweitet. Die Stimmung in der Bevölkerung und Politik kippt. Ein Zoo gilt zunehmend als überflüssiger Luxus. Bereits während des Krieges hat sich die Versorgungslage stark verschlechtert. Für die meisten stehen ganz andere Probleme im Vordergrund als ein Besuch im Tierpark. Die Jahreshauptversammlung des Tierpark-Vereins beschließt deshalb,

  • den Tierbestand zum 1. April aufzulösen und zu verkaufen,
  • der Verein soll vorerst weiterbestehen.
31. Dezember 1922
Nutzungsvorschläge für das Tierpark-Gelände

München-Giesing * Der Pachtvertrag zwischen der Stadt und dem inzwischen aufgelösten „Verein Zoologischer Garten München“ wird gekündigt. Das löst das eine Welle von Gesuchen und Anträgen zur alternativen Nutzung des Tierpark-Geländes aus. Im Gespräch sind, 

  • den Park als „Landerholungsersatz“ für bedürftige Münchner Familien oder 
  • als Schaf- und Rinderweide zur Milchversorgung des städtischen Sanatoriums Harlaching oder des Ordens der Barmherzigen Schwestern zu nutzen. 

Andere Interessenten wollen hier 

  • einen „Park zur Pflege des Sonnen- und Luftbadens“ oder 
  • einen Raum für Militärkonzerte und Raubtierdressurvorstellungen oder 
  • eine Geflügelfarm sowie als 
  • den Sitz der Bavaria Film GmbH genutzt sehen. 

Doch alle Wünsche und Nutzungsvorschläge werden abgelehnt, da die Stadt sich mit der Vorstellung beschäftigt, den ehemaligen Zoo in einen „Städtischen Volkspark Hellabrunn“ umzuwandeln. 

Im Prinzip ist man sich einig, dass München auf Dauer einen Zoologischen Garten haben muss und der Volksgarten nur eine Übergangslösung darstellt, bis man hier wieder exotische Tiere bestaunen kann.

1927
Pläne für den Wiederaufbau des Tierparks Hellabrunn

München-Giesing * Der vom „Hilfsbund“ ins Leben gerufene „Tierparkausschuss“ befasst sich mit dem Wiederaufbau des Tierparks Hellabrunn. 

Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ formulieren dies so: Hellabrunn kann durch die Tierzucht ein „Hort für Naturschutzbestrebungen“, eine „riesige Zuchtfarm für exotische und zugleich für aussterbende Tiere“ werden, was auch „finanzielle Gewinnmöglichkeiten“ erwarten lässt. 

23. Mai 1928
Die „Tierpark-Propaganda-Schau“ führt zur Wiedereröffnung des Zoos

München-Giesing * Vom Mai bis Oktober 1928 wird in Hellabrunn eine „Tierpark-Propaganda-Schau“ für die Wiedereröffnung des Tiergartens veranstaltet. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt, die auch das Gelände unentgeltlich zur Verfügung stellt, werden die Tieranlagen provisorisch wieder in Stand gesetzt, Tiere ausgeliehen, Pressekampagnen gefahren und spektakuläre Attraktionen wie gemalte Tierpanoramen und Dioramen der vorzeitlichen Tierwelt vorgeführt. 

Die „Tierpark-Propaganda-Schau“ ist finanziell so erfolgreich, dass die Neugründung des Tiergartens unmittelbar aus ihr hervorgeht. Der Tierpark bleibt nach dem Ende der Werbeschau einfach weiter geöffnet. Das ist auch der Grund, weshalb sich als Wiedereröffnungsdatum der 23. Mai 1928 eingebürgert hat. 

30. Januar 1929
Die Münchner Tierpark Aktiengesellschaft wird gegründet

München-Giesing * Der neue Tierpark Hellabrunn wird als „Münchner Tierpark Aktiengesellschaft“ formell gegründet. Diese ist mit einem Startkapital von 600.000 Mark ausgestattet. Die Stadt ist damit Mitbegründerin des Tierparks geworden. Unter den gegebenen Umständen ist die Neugründung ein voller Erfolg. 

Heinz Heck ist der Begründer des Erfolgs. Er hat für Hellabrunn ein vollkommen neues Konzept entwickelt: den Geo-Zoo. Der Tierpark ist nach Erdteilen gegliedert und präsentiert damit die Tiere nach Herkunftsregionen. Ziel ist auch, eine harmonische Verbindung der Landschaft mit den Tieren zu schaffen.

um April 1929
Der Brunnen mit jagdbaren Tieren wird gebaut

München-Haidhausen * Der Brunnen im heutigen Bordeauxplatz mit einer Abmessung von 20 auf 9 Metern wird gebaut. Wegen seiner vier Tierskulpturen erhält er den in herrlich trockener Beamtenlyrik gehaltenen Namen „Brunnen mit jagdbaren Tieren”.

Zuvor befindet sich am Forum an der Wörthstraße ein sogenannter Kustermannbrunnen. Darunter versteht man einen klassischen Münchner Trinkbrunnen mit einer gusseisernen Stele und einer Dackeltränke, den Kommerzienrat Max Kustermann den Haidhausern schenkt. 

um August 1929
Ein „Florida für die Armen“ mitten in Haidhausen

München-Haidhausen * In der Münchner Chronik der Süddeutschen Sonntagspost findet sich eine Reportage über die Vorkommnisse während der besonders heißen „Hundstage“. Ein Journalist beschreibt darin, mit welcher jubelnder Begeisterung die Haidhauser, besonders die Kinder, den neuen Brunnen angenommen haben.  

„Der Magistrat“, so der Zeitungsschreiber, hat den Kindern „ein kleines Paradies“ spendiert, ein „Florida für die Armen“, mit frischem, kaltem Wasser und einer Fontäneninsel in der Mitte, bei dem eigentlich nur die einladende Tafel „Familienbad für Kinder“ fehlt. Die Kleinen waten „lustig hinein in den Märchenbrunnen zu den dreißig anderen, die da planschen und spritzen, pfeifend und singend, umgeben von einem Kranz wohlwollender erwachsener Zuschauer”. Ein wahres Geschenk, denn die Badeanstalt kostet „ein Zehnerl Eintritt, das man erst haben muß, wenn man es ausgeben will”.  

Der gelobte Münchner Stadtrat reagiert auf die Hymnen unbeholfen und verlegen. Denn, so die Verlautbarung, er „hat gar nicht gewußt, was die Haidhauser Wirbelköpfe aus seinem Brunnen gemacht haben!“  Und weiter, die „Stadtverwaltung“ hat „es erst erfahren durch Zuschriften einiger galliger Umbewohner, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen, die nicht verstehen, daß diese kleinen blassen Körperchen, die trotz der Ferien ans Großstadtpflaster gebannt sind, sich ein wenig austollen wollen.  
Ruhestörung! Es war ein Irrtum.  
Der Brunnen ist mißverstanden worden von den Kindern, von den Zuschauern, sogar von dem wackeren Polizeimann, der schmunzelnd vorbeiging und ebenfalls dachte, es sei ganz in Ordnung so“
.

Im Gegenteil. „Die Haidhauser hatten das Waten einfach auf eigene Faust eingeführt“ und angesichts der „Hundstage“ die „amtliche Billigung“ vorausgesetzt, muss sich der Journalist von der Stadtverwaltung belehren lassen. Natürlich muss ein Schild her, eine „leuchtende Verbotstafel“ mit der Aufschrift „Waten und Baden verboten“.  

Die sarkastische, weder die Stadtverwaltung noch die Miesmacher schonende Reportage stammt aus der Feder des nachmaligen SZ-Chefredakteurs und Herausgebers der Münchner Abendzeitung, Werner Friedmann. 

Februar 1930
Der Cowboy Club München Süd tritt im Tierpark Hellabrunn auf

München-Untergiesing * Der Faschingszug fällt aus. Im Tierpark Hellabrunn wird ein Ersatzfasching abgehalten, bei dem sich der Cowboy Club München Süd mit 17 Reitern, einem Wagen und Fußvolk präsentiert. Eine Münchner Zeitung erklärt daraufhin den CCMS zum Höhepunkt des Zuges. 

1931
Neue exotische Tiere in Hellabrunn

München-Giesing * Das „Affenland“, das heute als Pavianfelsen erhalten geblieben ist, sowie das Afrikahaus für Zebras, Strauße, Antilopen und Kamerun-Schafe wird im Tierpark Hellabrunn eröffnet. Im Elefantenhaus befinden sich inzwischen acht Elefanten, vier Giraffen und sechs Flusspferde. Mit seiner Freianlage ist das Gelände zur „größten Elefanten-Freianlage der Welt“ geworden. 

Es gibt aber auch einen Haustiergarten, der für viele Stadtkinder exotischere und unbekanntere Geschöpfe zu bieten hat als das Affenland oder das Afrikahaus. 

um Juli 1936
In Hellabrunn wird die Menschenaffenstation eröffnet

München-Giesing * Dort, wo zuvor im Tierpark Hellabrunn der Haustiergarten gelegen ist, wird die Menschenaffenstation eröffnet, die allerdings erst bis 1938 fertiggestellt wird. Es ist das damals „größte Menschenaffenhaus der Welt“.

Die Kinder erhalten ein Streichelgehege. 

Mai 1937
Der Tierpark Hellabrunn bekommt ein Aquarium

München-Giesing * Im Tierpark Hellabrunn kann 

  • die Freianlage für Wisente und Auerochsen eröffnet werden. 
  • Gleichzeitig das Aquarium, das zur Energieeinsparung unter dem Menschenaffenhaus untergebracht worden ist. 
1. September 1939
Mit dem Kriegsbeginn wiederholen sich die Probleme des Tierparks

München-Giesing * Weitere geplante Objekte für den Tierpark Hellabrunn sind tropische Gewächshäuser, ein Insektarium, ein Tigertal und eine Freianlage für Braunbären und weitere. Durch den Kriegsbeginn müssen sämtliche Bauvorhaben eingestellt werden und kommen nicht zur Ausführung. 

Im Tierpark treten die bereits bekannten Probleme wie 25 Jahre zuvor wieder auf. 

  • Der erste Schritt ist die Einberufung von 19 Tierpflegern. 
  • Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu Futterproblemen kommen wird. 
  • Außerdem sinkt die Zahl der Besucher nach Kriegsbeginn auf zehn Prozent gegenüber der Friedenszeit. 
30. April 1945
Die Elefantenkuh „Lelabati“ räumt die Thalkirchner Brücke

München-Giesing * Am Ende der Nazi-Herrschaft unternehmen Wehrmachtsangehörige den hilflosen Versuch, die amerikanischen Truppen am Weiterzug zu hindern, indem sie die Thalkirchner Brücke mit einem Trambahnwagen blockieren, um so den Vormarsch der amerikanischen Truppen zu verhindern. 

Sie können aber nicht mit der Muskelkraft der Elefantenkuh „Lelabati“ aus dem Tierpark Hellabrunn rechnen. Die afrikanische Elefantendame zieht den Wagen ohne Probleme von der Brücke. Nach der Entfernung der Barriere können die Amis mit ihren Panzern und Militärfahrzeugen weiterziehen, ohne dass es dort kurz vor Kriegsende einen Schusswechsel gibt.

um Juni 1945
Der Hellabrunner Tierpark kann wiedereröffnet werden

München-Giesing * Der Tierpark Hellabrunn kann mit Einverständnis der amerikanischen Besatzungsmacht als erster Zoo Deutschlands wieder für Besucher geöffnet werden. Die Begründung dafür ist: „Tiere sind keine Nazis!“

Was die Zoo-Gäste zu sehen bekommen, ist ein trauriges Bild. Dreißig Prozent der Tiere sind dem Krieg zum Opfer gefallen. Auch die Hälfte der Gebäude und Stallungen sind durch Bomben vollständig zerstört worden. Zum Glück ist das Elefantenhaus - als einziges großes Tierparkgebäude in Deutschland - nahezu vollständig erhalten geblieben. 

16. Oktober 1946
Neun Hauptkriegsverbrecher werden hingerichtet

Nürnberg * Der Mastersergant Hazel Woods legt neun Hauptkriegsverbrechern die Schlinge um den Hals. Es sind dies

  • der Außenminister Joachim von Ribbentrop;
  • der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Wilhelm Keitel;
  • der Chef der Sicherheitspolizei Ernst Kaltenbrunner;
  • der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Alfred Rosenberg;
  • der Generalgouverneur von Polen Hans Frank;
  • der Innenminister Wilhelm Frick;
  • der Herausgeber der antisemitischen Zeitung Der Stürmer Julius Streicher;
  • der Gauleiter von Thüringen Fritz Sauckel;
  • Generaloberst Alfred Jodl und
  • der Reichskommissar für die Niederlande Arthur Seyss-Inquart.

Reichsmarschall Hermann Göring hat sich mit einer Zyankali-Kapsel am 15. Oktober 1946 seiner Hinrichtung durch Selbstmord entzogen.

17. Oktober 1946
Die Hauptkriegsverbrecher werden im Ostfriedhof eingeäschert

München-Obergiesing * In aller Frühe fahren Lastwagen der US-Armee am Krematorium des Ostfriedhofes vor. Ihre Fracht besteht aus zwölf Särgen, von denen zwei leer sind. Angeblich befinden sich darin die Leichen von zwölf in einem Krankenhaus verstorbenen US-Soldaten, die nun unter der Aufsicht von Offizieren eingeäschert werden sollen. Tatsächlich enthalten die Särge die Leichen von neun in Nürnberg am Tag zuvor hingerichteten Hauptkriegsverbrechern: Es sind dies:  

  • der Außenminister Joachim von Ribbentrop;  
  • der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel;  
  • der Chef der Sicherheitspolizei, Ernst Kaltenbrunner;  
  • der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, Alfred Rosenberg;  
  • der Generalgouverneur von Polen, Hans Frank;  
  • der Innenminister Wilhelm Frick;  
  • der Herausgeber der antisemitischen Zeitung Der Stürmer, Julius Streicher;  
  • der Gauleiter von Thüringen, Fritz Sauckel;  
  • der Generaloberst Alfred Jodl und  
  • der Reichskommissar für die Niederlande, Arthur Seyss-Inquart. 

Der zehnte Tote ist der Reichsmarschall Hermann Göring, der sich am 15. Oktober 1946 seiner Hinrichtung durch Selbstmord entzogen hatte. In der Amtssprache hieß das: „Die Leiche Hermann Wilhelm Görings ist zusammen mit den Leichen der Kriegsverbrecher, die gemäß dem Urteil des Internationalen Gerichtshofes am 16. Oktober in Nürnberg hingerichtet worden sind, verbrannt und die Asche im geheimen in alle Winde verstreut worden.“ 

1947
Neue Tiere für den Tierpark Hellabrunn

München-Giesing * Nach zehnjähriger Pause kommen wieder neue Tiere aus dem Ausland nach Hellabrunn. Die ersten Ankommenden sind über 300 Fische aus Brasilien und Westafrika für das Aquarium. 

um November 1948
Umfassende Renovierungsarbeiten in Hellabrunn

München-Giesing * Rechtzeitig vor dem Winter wird im Tierpark Hellabrunn

  • das Dach des Elefantenhauses neu gedeckt sowie die Kuppel erneuert und verglast. 
  • Auch die Dächer des Pavianhauses und der Menschenaffenstation erhalten eine neue Eindeckung. 
  • Die Freianlagen der Eisbären und der Löwen sowie das Robbenbecken können wiederhergestellt werden. 
  • Außerdem wird der Weg zum Restaurant neu asphaltiert.
September 1950
Der Tierpark erhält Tiere aus aller Welt

München-Giesing * Sechs Zebras, acht Antilopen, zwei Gazellen, zwei Buschböcke, Strauße, Pelikane, Marabus, Kraniche, Riesenschlangen, Affen und Netzgiraffen in kommen in Transporten in Hellabrunn an. Später kommen sieben Löwen, zwölf Kronenkraniche, mehrere Elefantenschildkröten sowie verschiedene Kleintiere dazu. Die Sensation ist ein afrikanischer Elefant, der erste, der nach dem Krieg nach Deutschland eingeführt wird. 

September 1951
Der Tierbestand von Hellabrunn wächst weiter

München-Giesing * Neun Kängurus aus Australien, dazu ein Flötenvogel, ein Rieseneisvogel, drei fliegende Hunde, sechzig Prachtfinken, zwei Emus sowie Pelikane, Mähnengänse und Trauerschwäne ergänzen den Bestand des Tierparkgeländes in Hellabrunn.

20. Juni 1962
Der Polizeieinsatz am Wedekind-Brunnen

München-Schwabing * Der nächste Polizeieinsatz, der letztlich zu den Schwabinger Krawallen führen wird, erfolgt am Wedekindplatz. Am späten Abend schreiten die Ordnungshüter gegen eine Gruppe Gitarristen und deren rund 150 Zuhörer ein, weil sie „ruhestörenden Lärm verursachten, indem sie musizierten, sangen, in die Hände klatschten, zum Teil auch tanzten und grundlos grölten“.

Weil die Beamten mit Pfeifen und Buhrufen empfangen werden, rufen sie umgehend das Kleine Überfallkommando herbei. Nach einer dreimaligen über Lautsprecher verbreiteten Aufforderung den Platz zu verlassen, räumen die Zuschauer - ohne nennenswerten Widerstand - den Wedekindplatz.

24. Mai 1965
Der Brunnen im Hof des Hauses des Rechts

München-Maxvorstadt * Das Hauptwerk des Dichters Dante Alighieri heißt „La Divina Commedia - Die göttliche Komödie“. Den gleichen Namen trägt der neu gestaltete Brunnen im Hof des Hauses des Rechts in der Veterinärstraße 1.

28. Mai 1966
Der TSV 1860 München wird Deutscher Fußballmeister

München * Der TSV 1860 München wird erstmals - und bislang zum einzigen Mal - Deutscher Fußballmeister. Mit der Meisterschaft sind Namen wie Rudi Brunnenmeier, Friedhelm „Timo“ Konietzka und Petar „Radi“ Radenkovic verbunden.  

Der FC Bayern München wird Dritter, der 1. FC Nürnberg belegt den sechsten Platz in der Bundesliga-Tabelle. 

30. Juni 1972
Zwei neue Brunnen vor der Frauenkirche

München-Kreuzviertel * Ein Brunnen mit der technokratischen Bezeichnung „Schwerer Granit und zarte Wasserglocken“ wird im Schatten der Türme der Frauenkirche in Betrieb genommen. Die Wasserglocken werden 1980 durch Bronzepilze ersetzt. 

Gleichzeitig wird auch der Bennobrunnen aufgestellt und angeschlossen.

1975
Der „Glaspalast-Brunnen“ kommt am Weißenburger Platz zur Aufstellung

München-Haidhausen * Der „Glaspalast-Brunnen“ kommt in der Mitte des Weißenburger Platzes zur Aufstellung. Die ihn umgebende kleine Parkanlage erfreut sich - in dieser „grünlosen Umgebung“ - großer Beliebtheit, seit mit einer kleinen Fußgängerzone auch eine Verkehrsberuhigung eingetreten ist.

Der Weißenburger Platz ist der prächtigste und größte der symmetrischen Plätze des Franzosenviertels. 

1976
Der Daphne-Brunnen wird am Orleansplatz aufgestellt

München-Haidhausen * Der Daphne-Brunnen, der Bildhauerin Marlene Neubauer, wird am Orleansplatz aufgestellt.

Die über drei Meter hohe Daphne-Skulptur stellt eine Gestalt aus der griechischen Mythologie dar. Sie, die alle Annäherungsversuche von Männern zurückweist, wird nun von Apollon verfolgt. Als sie ihm nicht mehr entkommen kann, fleht sie Ge um Hilfe an. Die Göttin der Erde verwandelt sie zum Schutz vor dem geilen Wüstling daraufhin in einen Lorbeerbaum. 

Der enttäuschte Apollon kann nur mehr einen Zweig davon abbrechen. Diesen trägt er seither auf seinem Haupt und hält den Lorbeer für heilig.

18. September 1989
Münchens Städtepartnerschaft mit Cincinnati

München - Cincinnati * Die amerikanische Stadt Cincinnati wird zur Münchner Partnerstadt erwählt. In Cincinnati findet jährlich rund um den Davidson-Brunnen das größte Oktoberfest der Vereinigten Staaten statt. 

um April 1997
Der Bordeauxplatz wird grundsaniert

München-Haidhausen * Der Zustand des Brunnens am Bordeauxplatz ist ein so erbärmlicher, dass das Becken abgebrochen und völlig neu aufgebaut werden muss. Da das Becken in seiner Entstehungszeit „in den Dreck gebaut” worden ist, versickern von den 15.000 Kubikmetern Wasser, die pro Saison hier verbraucht werden, gut die Hälfte im Erdreich. Ein Riss geht durch den Rehbock, dem zudem sein Geweih abhanden gekommen ist.  

Damit der Bordeauxplatz seine auf alten Fotos verbürgte Ursprünglichkeit zurückgewinnt, beginnt man mit umfangreichen Umbauarbeiten. Die Grundstruktur des Platzes konnte über die Jahrzehnte im Wesentlichen erhalten werden. Nur die Wege waren breiter geworden und betongepflastert. Sie sollen wieder zu schmalen Sandwegen umgestaltet werden. Die Parkbänke waren nach innen gerückt, weg vom Straßenverkehr, dafür aber mit dem Rücken zu den Flaneuren. Auch sie sollten wieder an ihren ursprünglichen Platz rücken.  

Daneben muss der nach über 120 Jahren lückenhaft gewordene Baumbestand erneuert werden, wobei die ersten Ulmen schon seit dem Jahr 1989 einer Abholzaktion zum Opfer fielen, da die weltweit auftretenden Fäulnisbakterien auch vor diesem historischen Ensemble keinen Respekt hatten. Als Ersatz pflanzte man zunächst einreihig Linden nach, „damit der Platz nicht allzu stark unter dem Schattendruck leidet“. Spätestens seit der Entdeckung des Ozonlochs weiß man den Schatten wieder zu schätzen, weshalb die Linden aus den 1990er Jahren zusammen mit den neuen Bäumen eine doppelreihige Allee rings um den Platz ergeben haben.  

Der neu geschaffene Spielplatz entspricht zwar nicht dem ursprünglichen Erscheinungsbild - aber dem Bedürfnis der Eltern. 

August 2002
Der Daphne-Brunnen findet an der Wahnfriedallee ein neues Plätzchen

München-Haidhausen - München-Oberföhring * Der Daphne-Brunnen vom Orleansplatz findet in der Bogenhauser Wahnfriedallee ein neues Plätzchen. Die nach vorne schreitende hübsche Bronzefigur, die sich in der Verwandlung in einen Lorbeerbaum befindet, findet ihren neuen Standort zwischen zwei Bäumen. 

28. April 2014
Siegfried Able übernimmt das ehemalige Hippodrom als Marstall

München-Theresienwiese * Der Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft befasst sich mit der Frage, wer die Nachfolge für Ex-Wiesnwirt Sepp Krätz im Hippodrom antreten soll. Sepp Krätz war am 28. März von der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München I in 36 Fällen wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einen Jahr und zehn Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 570.000 Euro verurteilt. Seine Schanklizenz für den Andechser am Dom hat er bereits verloren, das selbe Verfahren für die Waldwirtschaft in Großhesselohe wird im Mai angeschlossen.

Das Wirtezelt wird Siegfried Able, der bisherige Wirt der Kalbskuchl auf der Wiesn, übernehmen. Er ist Betreiber des See-Biergartens Lerchenau mit 1.200 Plätzen, des Eiszaubers am Stachus und seit 2008 auch der Kalbskuchl. Zudem gehören ihm Pizza-Stände im Stachus-Untergeschoss und im Hauptbahnhof, in Letzterem auch der Süßigkeitenstand Münchner Zuckerl. Im Tierpark Hellabrunn hat er einen Biergarten, ein Café und einen Fish-and-Chips-Stand.

Siegfried Able wird das Hippdrom in Marstall umbenennen. Auch das Festzelt wird vollkommen neu gestaltet. Seine Kalbskuchl mit 300 Plätzen übernimmt Erich Hochreiter, der Wirt des Biergartens am Viktualienmarkt.

Der Besetzung des Wirtezeltes auf der Wiesn gehen hinter den Kulissen heftige Auseinandersetzungen. Deutlich und laut fällt die Kritik an dem seit 1980 praktizierten Vergabesystem der Stadt aus, das zwar korrekt abgewendet worden sei, aber aus einer Zeit stammt, als Volksfeste noch ein reines Reisegewerbe waren.  

Unangenehm heftig fällt die Kritik des Sprechers der Wiesnwirte, Toni Roiderer, aus. Für ihn ist der „Emporkömmling“ Siegfried Able nur ein „Kioskbetreiber“, der nie „Wunschkandidat“ war. Die etablierten Wiesnwirte wollen sogar ernstlich prüfen, ob sie ihn überhaupt in ihrem Kreis aufnehmen wollen.  

12. September 2014
Die Kuppel des Elefantenhauses wird gesprengt

München-Untergiesing * Im Tierpark Hellabrunn wird die einhundert Jahre alte Kuppel des Elefantenhauses gesprengt. Das Ammoniak im Urin der Tier hat dem byzantinischen Kuppelbau aus dem Jahr 1914 so zugesetzt, dass er bereits 2010 wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt werden musste.  

Jetzt soll das Ensemble saniert und originalgetreu wieder aufgebaut werden. Dabei soll es mehr Platz für die Tiere geben. 

31. Dezember 2014
Subventionen im Kultur-, Unterhaltungs- und Bildungsbereich

München * In der Zusammenstellung der städtischen Zuschüsse, die der Münchner Stadtkämmerer Ernst Wolowicz jedes Jahr veröffentlicht, werden die Subventionen im Kultur-, Unterhaltungs- und Bildungsbereich deutlich.  

  • Das Stadtmuseum wird pro Besucher mit 106,55 Euro unterstützt,  
  • die Münchner Philharmoniker erhalten pro Zuhörer 97,13 Euro,  
  • das Volkstheater kriegt für jeden Zuschauer 77,67 Euro,  
  • in der Stadtbibliothek wird jedes ausgeliehene Buch mit 2,99 Euro bezuschusst,  
  • nur der Tierpark Hellabrunn sorgt 2014 für ein positives Ergebnis. Die Eisbär-Babies führten zu einem enormen Besucheranstieg von 1,7 auf 2,12 Millionen. Damit überstiegen die Einnahmen die Ausgaben. Trotzdem wird jede Eintrittskarte mit 93 Cent subventioniert. 
26. Januar 2018
Im Mühlendorf ist Richtfest

Tierpark Hellabrunn * Das Richtfest für das im künftigen Parkteil Europa des Tierparks Hellabrunn entstehende Mühlendorf findet statt. 

2019
2,72 Menschen besuchen den Tierpark Hellabrunn

München-Giesing * 2,72 Millionen Menschen kommen in den Geo-Zoo in Hellabrunn. Bei der Inventur zählten die Zoo-Mitarbeiter rund 19.000 Tiere in insgesamt 714 verschiedenen Arten. Die meisten davon sind Fische. Aber auch 88 Arten von Säugetieren sind im Zoo an der Isar beheimatet. 

November 2019
Vorarbeiten für die Sanierung der Ludwigsbrücken

München * Bauarbeiter rücken an, um mit den Vorarbeiten für die im März 2020 beginnende dringende Sanierung der Ludwigsbrücke anzufangen. Sie errichteten die temporären Stützen für eine Behelfsbrücke, auf der die Fußgänger und der Radverkehr während der Bauphase die Isar überqueren können. 

Dafür mussten die Isar-Ufermauer östlich des Vater-Rhein-Brunnens verstärkt, Gehwege verlegt und Bäume gefällt oder gestutzt werden. 

Die Sanierung soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein - es wird bis 2025 dauern. 

3. April 2022
Besucherandrang nach Corona

München-Giesing * Nachdem die letzten coronabedingten Schutzmaßnahmen gefallen sind, stürmen die Besucher glücklicherweise den Tierpark Hellabrunn wieder. Der Normalbetrieb kann wieder aufgenommen werden. 

um 2023
Ein Tiefbrunnen für die Münchner Kindl Brauerei

München-Giesing * Da ein Tiefbrunnen innerhalb der Stadtgrenzen Bedingung dafür ist, dass ein Bier sich ganz offiziell Münchner Bier nennen und auf dem Oktoberfest ausgeschenkt werden darf, wollen Dietrich Sailer und seine Söhne Luis und Leo auch diesen Schritt wagen. Immerhin kostet die Bohrung rund 700.000 Euro. 

Die Genehmigung ist aufwändig und dauert etwa zwei Jahre, da die Eingriffe ins Grundwasser strengen Auflagen unterliegen. Das Wasserwirtschaftsamt bewertet zusätzliche Tiefbrunnen kritisch, da das Münchner Tiefengrundwasser besonders geschützt ist. 

Die Stadt genehmigt das Projekt dennoch - unter anderem, weil für die Bierherstellung besonders reines Wasser erforderlich ist. Gleichzeitig bleibt klar: Neue Brunnen werden auch künftig nur sehr restriktiv erlaubt. 

um Januar 2025
Der tiefste Brauereibrunnen Münchens

München-Giesing * Die Münchner-Kindl-Brauerei muss für ihr Wasser tiefer bohren als jede andere Brauerei der Stadt. Rund zwei Monate dauerte die Bohrung. Erst in 234 Metern Tiefe - über 50 Meter tiefer als erwartet - wird eine ergiebige Wasserschicht erreicht. Damit verfügt Münchner Kindl nun über den tiefsten Brauereibrunnen Münchens.

Historisch spielt dabei auch das Oktoberfest eine Rolle: Dort darf nur Münchner Bier ausgeschenkt werden - und das setzt traditionell einen eigenen Tiefbrunnen im Stadtgebiet voraus.