Münchner Zeitensprünge
2000
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1655
Bischof Albrecht Sigismund erwirbt das Schloss Ammerland

Ammerland * Der Freisinger Bischof Albrecht Sigismund erwirbt das Schloss und die Hofmark Ammerland am Starnberger See von Georg Konrad Freiherr von Lerchenfeld um 32.000 Gulden. Der Bischof hat ein Auge auf Ammerland geworfen. Aus Angst, bei Hofe in Ungnade zu fallen, verkauft Lerchenfeld - „nur ungern und aus schuldiger Rücksicht“ - das Anwesen. 

Juni 1663
Der Rumpf des Bucentaur ist fertig

Starnberger See * Der Rumpf des Bucentaur, des Leibschiffs des Kurfürsten Ferdinand Maria, ist fertig und kann auf Walzen ins Wasser gebracht werden. Umgehend beginnen nun die Arbeiten an den Aufbauten und dem Innenausbau. 

um Februar 1664
Der Bucentaur kostet 20.040 Gulden

Starnberger See * Die Kistler können die Verkleidung der Wände und Decken sowie die Parkettböden des Bucentaur fertigen. Danach wird vertäfelt, gemalt, gefasst und vergoldet. Das Schiff kostet am Ende insgesamt 20.040 Gulden, wovon die Kosten für die 268.000 Nägel noch den geringsten Anteil ausmachen. Der größte Posten an der Gesamtrechnung ist - mit 4.600 Gulden - der Aufwand für die Vergolder und Maler.  

Francesco Santurini baut für Kurfürst Ferdinand Maria jene Staatsgaleere des venezianischen Dogen nach, mit der dieser jedes Jahr am Himmelfahrtstag auf das Meer hinaus fährt, um symbolisch die Vermählung Venedigs mit der Adria zu vollziehen und dabei - mit feierlichem Zeremoniell - einen goldenen Ring ins Wasser wirft. Die Galeere des Dogen nennt man wegen ihrer Goldpracht „Buzo d’oro“ oder „Bucintoro“. Das venezianische Staatsschiff wird zum Vorbild der Bucentaur, der aber, mit über dreißig Meter Länge und drei übereinander liegenden Decks ein Stück größer und prächtiger ist. 

1683
Bischof Albrecht Sigismund lässt Schloss Ammerland neu erbauen

Ammerland * Der Freisinger Bischof Albrecht Sigismund lässt das neue Schloss Ammerland am Seeufer des Starnberger Sees bauen. Viel Spaß an seinem neuen Domizil wird er nicht gehabt haben, da er bereits zwei Jahre später stirbt. 

Die Hofmark Ammerland bleibt noch mehrere Generationen in der Hand nachgeborener wittelsbachischer Söhne, die mit begehrten Bischofsstühlen versorgt werden. 

19. Februar 1727
Kölns Kurfürst Clemens August erhält Schloss Suresnes zur Nutzung

Schwabing * Mit einem Vertrag überlässt der Geheime Rat und Kabinettssekretär Franz Xaver Ignaz von Wilhelm sein in Schwabing gelegenes Schloss Suresnes dem Kölner Kurfürsten Clemens August zur Nutzung. Dafür erhält Wilhelm das Nutzungsrecht am Schloss Ammerland am Starnberger See „mit der Jagd, der Fischerei und der Gärtnerei“. Die Eigentumsrechte und Unterhaltspflichten an beiden Schlössern bleiben durch diesen Vertrag unangetastet. 

Über die Hintergründe des Nutzungstausches gibt es keine Unterlagen. Die Vermutung ist naheliegend, dass der Kölner Fürstbischof eine verschwiegenes Absteigequartier nahe Münchens für seine amourösen Vergnügungen sucht. Der prachtliebende und den Freuden des Lebens sehr zugetane Fürst, der aufgrund seiner fünf Bistümer auch „Monsieur de Cinq-Eglises“ genannt wird, ist bis zum Todesjahr des Geheimen Rats Franz Xaver Ignaz von Wilhelm, 1741, Hausherr auf Schloss Suresnes. 

15. April 1799
Maria Leopoldine erhält die Herzog-Max-Burg als Witwensitz

München * In einem Zusatzvertrag zum Ehevertrag wird von Kurfürst Max IV. Joseph festgelegt, dass die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine

  • die Herzog-Max-Burg als Witwensitz nutzen kann. 
  • Als Sommersitz erhält sie Schloss Berg am Starnberger See mit dem dazugehörigem Garten, Grund und Gebäude sowie die kurfürstlichen Fahrzeuge „zur Lustfahrt auf dem See“
  • Außerdem bekommt sie einen jährlichen Unterhalt von 100.000 Gulden, bezahlbar in Monatsraten von 8.333 Gulden 20 Kreuzern. 
1853
Eine Eisenbahnstrecke zum Starnberger See

München - Starnberg * Der weitere Ausbau des Eisenbahn-Streckennetzes wird angegangen. Ulrich Himbsel, der ehemalige Baudirektor der München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft, beginnt, trotz der anfänglich auftretenden Probleme mit der Finanzierung, mit dem Streckenbau zu dem „an Naturschönheiten so reichen Starnberger See“.

Die Linie zweigt hinter Pasing nach Süden ab und erfreut sich beim „gebirgssinnigen Münchner Publikum“ bald großer Beliebtheit. 

14. Mai 1864
Richard Wagner bezieht ein Landhaus in Kempfenhausen

Kempfenhausen * Richard Wagner bezieht das Landhaus des Gastwirts Pellet in Kempfenhausen am Starnberger See, das Ludwig II. für ihn gemietet hat. Fast drei Wochen lang trifft er täglich mit dem König auf Schloss Berg zusammen. Der Aufenthalt dauert bis zum 27. September.

um 16. Juni 1866
König Ludwig II. zerstreut sich auf der Roseninsel

Roseninsel • König Ludwig II. verbringt diese für Bayern schwierigen Tage mit seinem Adjudanten Paul Fürst von Thurn und Taxis auf der Roseninsel im Starnberger See, wo er „zu seiner Zerstreuung Feuerwerke abbrennen ließ und bei künstlichem Mondschein Vergessen suchte“

5. Oktober 1869
König Ludwig II. gibt erneuten Auftrag für einen Wintergarten

München-Graggenau * König Ludwig II. gibt Carl von Effner den Auftrag für einen neuen königlichen Wintergarten auf dem Dach des Festsaalbaus der Residenz, mit den Ausmaßen 69,50 x 17,20 x 9,50 Metern. Um der Längenausdehnung entgegen zu wirken, wird der Dachgarten im Süden durch einen Quertrakt erweitert. Dazu wird im Kaiserhof ein dreiachsiger Unterbau errichtet.  

Der für den neuen Wintergarten angefertigte Maurische Pavillon [Beauftragt im Herbst 1868] findet keine Verwendung. Er wird stattdessen im Park von Schloss Berg am Starnberger See aufgestellt. 

um September 1880
Auf dem Oktoberfest sind jährlich 6 bis 8 Fischbrater vertreten

München-Theresienwiese * Auf dem Oktoberfest sind jährlich 6 bis 8 Fischbrater vertreten. Hauptsächlich werden einheimische Renken aus dem Starnberger See, Weißfische, Nasen und Braxen gebraten danach verkauft.

Der Brathering verschwindet am Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Speisenangebot. Dafür werden Fischbratereien und -bäckereien mit verschiedenen Fischsorten erwähnt. Auch Krebssiedereien bieten ihre Waren an.

1885
Der Raddampfer Maximilian kommt zum Ammersee

Starnberger See - Ammersee * Der im Jahr 1851 im Eisenwerk Hirschau von Joseph Anton von Maffei produzierte Raddampfer Maximilian wird nach 34 Dienstjahren auf dem Starnberger See in zwei Teile zerlegt und zum Ammersee transportiert. Dort ist er weitere zehn Jahre im Einsatz.

11. Juni 1886
Eine effektivere Fang-Kommission nimmt einen neuen Anlauf

Schloss Neuschwanstein - Schloss Berg * Eine kleinere, effektivere Fang-Kommission nimmt einen neuen Anlauf. Diesmal mit mehr Erfolg. Dem König wird die Entmündigung eröffnet. Er lässt sich festnehmen und nach Schloss Berg am Starnberger See überführen. Dort kommt es in der Folge zum sogenannten Königsdrama.

Ursprünglich sollte der Ex-König Ludwig II. nach Schloss Fürstenried gebracht werden. Man kommt von dem Gedanken aber wieder ab, da man die Brüder nicht im selben Haus untergebracht haben will. Statt dessen werden Pfleger vom Prinzen Otto abgezogen.

29. Juli 1888
Die Centenarfeier für König Ludwig I.

München * Aus Anlass des 100. Geburtstags von König Ludwig I. findet vom 29. bis zum 31. Juli 1888 eine Centenarfeier als rauschende Festfolge statt. Eigentlich hätten die Münchner das Fest schon zwei Jahre zuvor feiern wollen, da König Ludwig I. ja bereits 1786 geboren worden war. Doch die Hoftrauer um den im Starnberger See ums Leben gekommenen Enkel des Jubilars und „Märchenkönigs“ machen entsprechende Festlichkeiten im eigentlichen Jubiläumsjahr 1886 unmöglich. Aus diesem Grund verschob man das Fest und führte es parallel zur Deutsch-Nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung durch. 

22. Juli 1894
Oskar Maria Graf wird in Berg geboren

Berg am Starnberger See * Oskar Graf, der spätere Schriftsteller Oskar Maria Graf, wird als neuntes von elf Kindern im elterlichen Bäckerhaus in Berg am Starnberger See geboren. 

3. März 1959
Elvis Presley hält sich privat in München auf

München * Elvis Presley, der 18 Monate lang im hessischen Friedberg als GI stationiert ist, besucht Bayern privat. Mit Vera Tschechova schaut er sich zwei Filme an, isst in den Bavaria Filmstudios, fährt zum Schifferlfahren zum Starnberger See. Am Abend besucht er zwei Wäschemodenschauen im Nachtclub Moulin Rouge in der Herzogspitalstraße. Dazwischen ist noch Zeit, um im Hof des Hotels Bayerischer Hof für Fotoaufnahmen mit Reinigungsfrauen zu posieren.