Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
4. April 1896
Albert Langen startet die Satire-Zeitung Simplicissimus

München * Der von Köln über Paris kommende Zuckerfabrikanten-Erbe Albert Langen startet die Satire-Zeitung Simplicissimus.  

In seiner Begleitung befinden sich der Hannoveraner Frank Wedekind und der aus Leipzig stammende Thomas Theodor Heine, die Pariser Flair und Esprit ins Isar-Athen bringen möchten. Thomas Theodor Heine hatte seine Karriere als Zeichner bei den Fliegenden Blätter begonnen. 

1899
Ludwig Thoma polemisiert im Simplicissimus gegen politisierende Frauen

München * Ludwig Thoma polemisiert im Simplicissimus gegen politisierende Frauen mit den Worten: „Sie taugen nichts im Hause, nichts im Bett.“ Die Frauenrechtlerin Rosa Luxemburg ist für ihn eine „gebildete, blutlose Emanze“, die „sicherlich - was gilt die Wette? - mehr als ein Loch in ihren woll‘nen Strümpfen“ hat. 

31. Dezember 1912
Ludwig Thomas Bildergeschichte „Ein Münchner im Himmel“

München * Im Heft 54 des Simplicissimus erscheint die Bildergeschichte „Ein Münchner im Himmel“. Der Text stammt von Ludwig Thoma, die Zeichnungen liefert Olaf Gulbransson. Es geht darin um den vom Schlag getroffenen Dienstmann Alois Hingerl, der als Engel den Auftrag erhält, die göttlichen Eingebungen der bayerischen Staatsregierung zu überbringen.

Der „Engel Aloisius“ wird allerdings beim Anblick des Münchner Hofbräuhauses seinen Auftrag vergessen und sich eine Mass nach der anderen schmecken lassen. „Und so wartet die bayerische Staatsregierung noch heute auf die göttlichen Eingebungen!“ 

15. August 1914
Der Hurrapatriotismus des Ludwig Thoma

München * Der Schriftsteller Erich Mühsam beklagt sich über den Simplicissimus: „Und immer der haltloseste Hurrapatriotismus, in dem sich Ludwig Thoma, der große Spötter, am lautesten jetzt hervortut.“  

29. April 1919
Dem Münchener Spießer geschah es schon recht

Schleißheim * Im Jahr 1927 kommt das in insgesamt zehn Auflagen erschienene Buch „Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben“ auf den Markt. Darin beschreibt Manfred von Killinger seine stark antisemitisch geprägten Erinnerungen als Freikorpsführer der Marine-Brigade-Ehrhardt in der Zeit der Niederschlagung der Münchner Räterepublik. Das Buch beginnt so:  

„Von Saalfeld kommend, luden wir in Schleißheim aus. Das Vierte Regiment hatte bereits gesichert. Wir bekamen Befehle. München war umstellt. Diesmal würde es zu harten Kämpfen kommen. In München hatte die rote Brut das Heft fest in der Hand. Lewin [!] Leviné-Nissen, Mühsam usw., was waren das für Namen. Waren das Bayern? Jüdisches, internationales Gesindel, die Intellektuellen aus Schwabing.

Es musste ja so kommen. Dem Münchener Spießer geschah es schon recht. Jahrelang hatte er das Treiben in Schwabing mit angesehen, das Treiben, das im Simplicissimus seinen Niederschlag gefunden hatte. Jahrelang hatte er behäbig lachend mit angesehen, wie Kirche und Thron von diesen Kreisen in den Dreck gezogen wurden, und das als guten Witz aufgefasst. Jetzt zeigte ihm die Bestie das wahre Gesicht“