Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
5. April 1774
Kurfürst Max III. Joseph will die Friedhofsfrage neu regeln

München-Isarvorstadt * Kurfürst Max III. Joseph fordert den Stadtmagistrat auf, einen Standort für einen neuen Friedhof zu finden oder die Erweiterung des bestehenden Friedhofs vor dem Sendlinger Tor, des heutigen Alten südlichen Friedhofs, zu überdenken.

  • Die bestehenden Friedhöfe innerhalb der Stadtmauer sollen aufgelassen, gekalkt und gepflastert werden. 
  • Auch die Grüfte in den Kirchen, diese „stinkenden, vergifteten Vorratskeller ansteckender Luft“,  sollen aufgelassen werden.

Sofort organisiert sich Widerstand gegen diese kurfürstlichen Maßnahmen, wobei das einfache, ärmere Volk davon weniger betroffen ist, weil sie schon seit längerer Zeit ihre Toten vor das Sendlinger Tor begleiten müssen. 

1. August 1874
Der Ratskeller wird der Öffentlichkeit übergeben

München-Graggenau * Der im Neubau des Münchner Ratshauses eingebaute Ratskeller wird der Öffentlichkeit übergeben. Die Weinkarte umfasst 231 Weine aus aller Welt. Die Stadtgemeinde wird zum größten Weinwirt Münchens. Der Pächter wird verpflichtet, bis zu 6 Sorten Regiewein zu einem vom Stadtmagistrat festgelegten Preis abzugeben.

um April 1904
Eine Studienreise für den Betrieb eines Ratskellers

München * Eine Kommission des Stadtmagistrats geht auf Studienreise nach Stuttgart, Deidesheim, Mainz, Wiesbaden, Koblenz, Köln, Bremen, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Wien, Großinzersdorf und Salzburg begeben, „um Einrichtung und den Betrieb der Ratskeller einer Anzahl größerer Städte kennen zu lernen“.

Ergebnis dieser Studienreise war der Beschluss der Gemeindekollegien, dass im Ratskeller nur noch „Pfalzweine, Rheinweine, Mosel- und Saarweine, Frankenweine, badische Weine, österreichische und ungarische Weine sowie Bordeaux-, Burgunder- und Schaumweine“ angeboten und verkauft werden durften, welche von einer vom Magistrat eingesetzten Kommission „nach vorgenommener Kostprobe angekauft und in der städtischen Weinkellerei eingelagert und behandelt worden sind“.

Für die Auswahl der „ruhigen“ Weine war „vor allem maßgebend, dass die Weine naturecht, das heißt aus dem vergorenen Saft der Weintraube sind und keinerlei Zusatz an Zucker oder Zuckerwasser enthalten“.

25. Februar 1905
Der „Verein Zoologischer Garten“ wird gegründet

München-Graggenau * Im Ratskeller wird der „Verein Zoologischer Garten“ von einflussreichen Honoratioren gegründet. Dringendste Aufgabe des Clubs ist es, „die erforderlichen Mittel zu beschaffen und dann an die praktische Durchführung des Projektes heranzutreten“. 

Da der zoologische Garten in sehr fortschrittlichen Überlegungen als gemeinnütziges Unternehmen betrachtet wird, bei dem es in erster Linie nicht um die Gewinnmaximierung gehen soll, wird - im Gegensatz zu anderen Städten in Deutschland - auf die Gründung einer Aktiengesellschaft verzichtet. 

August 1928
„Eine Stätte solider Trinkfestigkeit scheint der Ratskeller zu sein“

München-Graggenau * In der Stadtchronik ist zu lesen:  „Eine Stätte solider Trinkfestigkeit scheint der Ratskeller zu sein; dort und in der Regieweinkellerei wurden im letzten Jahre 195.000 Flaschen Rot- und Weißweine und 5.000 Flaschen Schaumweine umgesetzt und hierfür 560.000 Mark eingenommen; 285.000 Mark wurden wieder für Weinankauf ausgegeben, einschließlich Fracht, Umsatzsteuer, Weinproben und Reisekosten; von dem Gesamtumsatze von 567.000 Mark werden 20.000 Mark an den Gemeindehaushalt abgeliefert“.