Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
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Die Münchner bauen ein Wehr in die Isar

Au * Die Münchner bauen in der Höhe der heutigen Marienklausenbrücke ein Wehr in die Isar, um damit das Flusswasser für die Festungsgräber, die Mühlen, die Floßlände und die Holztrift zur Stadt hin aufstauen zu können.

Dadurch entsteht zwischen der Isar und dem Hochufer ein Streifen Trockenland - die Au. 

1866
Martin Achleitner erbaut die Marienklause

München-Giesing * Erst fünfzig Jahre, nachdem die Gebrüder Achleitner im Angesicht des Todes schwörten, der „heiligen Jungfrau“ eine Kapelle zu erbauen, errichtet der Sohn eines der Flößer, Martin Achleitner, die Marienklause. 

Auch er, der seinen Dienst als Wasserbaumeister und Aufseher am Wehr des Auer Mühlbachs ausführt, verlobt sich der Gottesmutter für „öftere Errettung aus Hochwasser- und Felssturzgefahr“. 

In den Jahren 1865/66 errichtet er hinter dem einsam gelegenen Schleusenwärterhäuschen die Marienklause, eine kleine Kapelle aus Holz und Grottenwerk mit einem Türmchen, in deren Altarraum sich eine Marienfigur befindet. 

Die Kapelle ist einerseits von den Hochwasserfluten der Isar, andererseits von Felsstürzen des Nagelfluhsteilhangs bedroht. Eng an den Isarsteilhang geschmiegt, von Bäumen, Sträuchern und Büschen schützend umgeben, ist die Kapelle den direkten Blicken entzogen. 

Die Marienklause ist weniger „Kunstwerk“, sondern eher ein authentisches Stück Alltagsgeschichte der Isararbeiter.

20. April 1904
Für einen Tiergarten in Hellabrunn

München-Giesing * Eine Versammlung aus Befürwortern eines Münchner Zoos einigt sich auf Hellabrunn als künftigen Standort. Natürlich äußern sich die Bedenkenträger wieder lautstark und bemängeln, dass der Platz für den Tierpark so weit draußen wäre. 

  • Doch der Zoologische Garten befindet sich natürlich im Münchner Burgfrieden und es war jedermann klar, dass „ein Terrain, das für einen Zoologischen Garten in Frage käme, inmitten der Stadt überhaupt nicht vorhanden ist. Es kommt also nur die Peripherie in Betracht.“ Das Hellabrunner Gelände im südlichen Isartal zwischen Harlaching und der Marienklause gelegen, ist das Beste für diesen Zweck, denn hier war „die Luft wegen der in München vorherrschenden West- und Südwinde reiner als in allen übrigen Teilen der Stadt“. 
  • Weitere Vorteile ist der schier unendliche Wasserreichtum, ein alter, hoher Waldbestand in der Isarauen-Landschaft, der dicht bewaldete Harlachinger Isarsteilhang, der das Gelände vor Wind und Wetter schützte und eine malerische Kulisse für einen Zoologischen Garten bietet sowie die Wiesen, die den ganzen Tag von der vollen Sonne beschienen sind.
1907
Ein wasserbautechnischer Salto mortale am Beginn des Auer Mühlbachs

München-Giesing * Der Ursprung des Auer Mühlbachs ist nicht mehr auf der rechten Isarseite. Vielmehr steht nun an seinem Anfang ein wasserbautechnischer Salto mortale - denn seine Auslassstelle befindet sich jetzt auf der linken Seite des Isarufers. Dazu muss ein Düker unter der Rest-Isar durchgeführt werden. 

Bei einem Düker handelt es sich um ein U-förmiges Rohr, das unterirdisch durch den Fluss geführt wird. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren fließt das ankommende Wasser auf seiner ursprünglichen Höhe in den Düker hinein, füllt diesen aus und steigt auf der gegenüberliegenden Flussseite wieder auf die vorherige Höhe an, so dass es den Düker wieder verlassen kann. 

Der Auer Mühlbach-Düker ist 168 Meter lang. Sein Verlauf ist parallel zur Marienklausenbrücke ablesbar, die allerdings erst in den Jahren 1919 und 1920 von der Stadt München für Fußgänger im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erbaut wurde. 

Den Düker verlässt der Auer Mühlbach - von dem meisten Spaziergängern und Besuchern vollkommen unbemerkt - im Tierpark Hellabrunn.

1909
Das Schleusenwärterhaus am Auer Mühlbach

München-Giesing * Die Abteilung für Wasser- und Brückenbau der Stadt München übernimmt das Schleusenwärterhaus der Auer Wassergenossenschaft. Es besteht aus dem Wohnhaus, einem Wachgebäude, dem Werkstattgebäude, einem Gartenhaus und einem Schuppen. Die kleinen Bauten liegen zwischen der Einlassschleuse des Auer Mühlbaches und der Marienklause. 

1912
Die Marienklause wird gerettet

München-Giesing * Die Marienklause ist baufällig, muss gesperrt und soll aus Sicherheitsgründen sogar abgerissen werden. Die Stadt München entscheidet jedoch, die Kapelle in gleicher Form am selben Ort neu zu errichten - diesmal stabiler gebaut. Die Votivtafeln werden währenddessen aufbewahrt und später wieder angebracht. So bleibt die Klause als Ort der Andacht und Besinnung erhalten.

7. März 1920
Der Marienklausensteg für Fußgänger wird erbaut

München-Giesing * Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme - nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg - lässt die Stadt in den Jahren 1919 und 1920 den Marienklausensteg für Fußgänger erbauen.

Die Brücke ruht auf acht Pfeilern, die neun Joche bilden. Das rechte und extrabreite Joch ist für die Floßdurchfahrt gedacht. In seiner Bescheidenheit passt sich der Steg gut in die Auenlandschaft ein. 

1927
Der Marienklausensteg wird mit einem Metallmix restauriert

München-Giesing * Die längslaufenden Holzträger des Marienklausenstegs sind derart stark verfault, dass sie durch Stahlprofile ersetzt werden müssen. Durch dieses Provisorium entsteht ein Metallmix aus Holz, Stahl und Beton und gibt der Brücke ein äußerst merkwürdiges Aussehen. 

1991
Ein Wettbewerb für einen neuen Marienklausensteg

München-Giesing * Die Stadt schreibt einen Wettbewerb für den Neubau des Marienklausenstegs aus. 21 Teams reichen Entwürfe ein. Gefordert ist eine zeitgemäße Konstruktion und eine schonende Einbindung in die Flusslandschaft unter Erhalt des wertvollen Baumbestands. Zudem müssen wasserbauliche und nutzungsbezogene Vorgaben berücksichtigt werden.

1998
Der neue Marienklausensteg wird der Öffentlichkeit übergeben

München-Giesing * Der neue Marienklausensteg wird der Öffentlichkeit übergeben. Eine einfache, gerade Verbindung hat den Planern nicht gereicht: Die Brücke wird zweimal fast rechtwinklig abgewinkelt. Diese Konstruktion erfordert einen deutlich massiveren und längeren Betonpfeiler als bei den übrigen Stützen.

Die 120 Meter lange Brücke aus Stahl, Beton und Eichenbohlen kostet rund 3,5 Millionen D-Mark und besteht aus 18 großen Bauteilen. Ein 35 Meter langer Stichsteg führt zu einer kleinen Aussichtsplattform. Anfangs ist dieser Steg jedoch zu schwach konstruiert und gerät beim Betreten in starke Schwingungen. Eine provisorische Holzstütze schafft Abhilfe. 

Kurios: Noch vor der Nutzung überquerte die Clownin Antoschka vom Russischen Staatszirkus die Brücke - mit ihrem Kater auf der Schulter. In Russland gilt es als Glücksbringer, wenn Katzen neue Bauwerke zuerst betreten, um böse Geister zu vertreiben.