Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
November 1883
Die Bedeutung des Isarquaies für München

München-Lehel * Ein Artikel in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ befasst sich mit der Bedeutung des Isarquaies für München. Der Verfasser betont darin die städtebaulich „unvergleichlich günstige Lage des Mariannenplatzes“, der sogar als Bauplatz für den Justizpalast in Erwägung gezogen worden ist.

  • Der evangelischen Kirchenverwaltung erscheint der Bauplatz als sehr teuer, weshalb sie noch das Gelände der „I. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung“ am Isartorplatz ins Gespräch bringt.
  • Die Lokalbaukommission schlägt ihrerseits noch Standorte auf der südlichen beziehungsweise nördlichen Kohleninsel vor.  Schließlich einigt man sich doch auf den Mariannenplatz als Standort für die Lukaskirche.  

Das Gotteshaus sollte eigentlich die protestantische Kirche für den Münchner Osten werden, doch bereits 1889 wurde am Preysingplatz in Haidhausen die Johanneskirche als evangelische Notkirche erbaut.
Nun haben die Protestanten auch ihren Sammelpunkt jenseits der Isar. Doch das war bestimmt kein Zufall, denn der Architekt beider Kirchen ist Albert Schmidt, der gleichzeitig - heute kaum vorstellbar - den acht Mitgliedern der protestantischen Kirchenverwaltung in München angehörte. 

„Der soziale Status der protestantischen Gemeindemitglieder lag deutlich über dem Durchschnitt. Viele gehörten der geistigen und finanziellen Oberschicht an“, weshalb die Gruppierung sehr selbstbewusst auftrat, was im fundamental katholischen Bayern ganz bestimmt auch nötig war [und ist?]. 

September 1888
Am Mariannenplatz soll die dritte evangelische Kirche entstehen

München-Lehel * Die Münchner Gemeindekollegien beschließen, der protestantischen Kirchengemeinde den Mariannenplatz zum Bau ihrer dritten Kirche zu überlassen. Als Bedingungen werden gestellt, dass der Bau innerhalb der nächsten drei Jahre begonnen und als ein der Quaistraße entsprechender und monumentaler Bau ausgeführt werden muss. 

1. Juli 1941
Karl Valentin als „Burghausmeister“ im Schlosshotel Grünwald

Grünwald * Aus Angst vor Bombardierungen zieht Karl Valentin vom Mariannenplatz 4 ins Grünwalder Schlosshotel. Er plant dort die Verfilmung seines Theaterstücks „Ritter Unkenstein“ und illustriert das Skript mit zahlreichen eigenen sowie fremden Zeichnungen. Die Szenerie soll sich um die Burg Grünwald abspielen. 

Er wohnt in dem neben der Burg befindlichen Schlosshotel Grünwald und bleibt dort bis zum Frühherbst 1943. Jeden Morgen zieht er mit dem Spaten in der Hand hinüber in die Burg und gräbt nach den Relikten der „alten Rittersleut“. Er nennt sich „Burghausmeister“ oder „Rittergutaufräumungsgeneral“. Doch auch die Grabungen verlaufen ohne den erhofften Erfolg. 

Er wechselte seinen Wohnort ständig, lebt eine Zeit in Grünwald, dann wieder am Mariannenplatz und schließlich auch in seinem Landhäuschen in Planegg. Das Schlosshotel Grünwald ist aber sein bevorzugter Aufenthaltsort.