Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
1877
Die Einführung der Leichenverbrennung wird beantragt

München - München-Obergiesing * Mit der Sammlung von Unterschriften beantragt man beim Magistrat die Einführung der Leichenverbrennung. Dieser befürwortet den Antrag, da sich für die rasant wachsende Großstadt mit der Feuerbestattung das Problem der Grabplatz-Knappheit lösen würde. 

1878
Das katholische Stadtpfarramt lehnt die Leichenverbrennung ab

Gotha * In Gotha entsteht Deutschlands erste Leichenverbrennungsanlage. Der Münchner Magistrat befragt daraufhin die drei Religionsgemeinschaften über Einwände gegen die Feuerbestattung. Während die Israelitische Kultusgemeinde keinerlei Einwand sieht und das protestantische Stadtpfarramt Änderungen des Ritus für unnötig erachtet, lehnt das katholische Stadtpfarramt die Leichenverbrennung kategorisch ab.  

Fürsprecher findet diese Bestattungsform bei den Sozialdemokraten. Sie fordern eine allgemeine Einführung der Feuerbestattung als einzige Möglichkeit, Chancengleichheit zu gewähren, da mit der Leichenverbrennung endlich die Klassenbegräbnisse hinfällig werden würden.  

1891
In München wird der Verein für Feuerbestattung gegründet

München * In München wird der Verein für Feuerbestattung gegründet. Er setzt sich für die Einführung der Leichenverbrennung in München ein. Der Magistrat steht dem Gedanken der Feuerbestattung noch immer positiv gegenüber, doch für die Errichtung eines Krematoriums benötigt man die Erlaubnis der bayerischen Staatsregierung. Den Antrag dafür sollte deshalb der Verein für Feuerbestattung stellen. 

1894
Die bayerische Staatsregierung lehnt die Leichenverbrennung ab

München * Die bayerische Staatsregierung lehnt die Einführung der Leichenverbrennung in München ab. Noch immer müssen Münchner, die eine Feuerbestattung vorziehen, die hohen Kosten für den Sargtransport zu einem auswärtigen Krematorium akzeptieren. In Frage kommen dafür Gotha, später Heidelberg und Jena. 

1906
Das Interesse an der Feuerbestattung ist beträchtlich gestiegen

München - München-Obergiesing * Das Interesse an der Feuerbestattung ist in München mittlerweile beträchtlich gestiegen, weshalb die Stadt erneut einen Antrag zur Errichtung eines Krematoriums stellt.  

Schließlich einigt man sich auf einen Kompromiss. Der Verein für Feuerbestattung pachtet von der Stadt München die auf dem Ostfriedhof errichtete Verbrennungsanlage für Sargbretter und Grabkränze und lässt die Anlage auf eigene Kosten zu einer Leichenverbrennungsanlage umbauen.