Münchner Zeitensprünge
2000
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1889
Ein Konsortium baut und betreibt das Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth

Höllriegelskreuth * Der Münchner Bauunternehmer Jakob Heilmann erbaut und betreibt in Zusammenarbeit mit dem befreundeten Bankier Wilhelm von Finck, Mitinhaber des Bankhauses Merck, Finck & Co. und Johannes Kaempf, Vorstandsmitglied der Bank für Handel und Industrie, der späteren Danat-Bank, das achte deutsche Drehstrom-Kraftwerk Zentrale I, das später Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth genannt werden wird. Es ist bis 1940 in Betrieb und wird dann durch einen Neubau ersetzt.

31. Oktober 1894
Gründung der Isarwerke GmbH

München * Der Münchner Bauunternehmer Jakob Heilmann, Wilhelm von Finck, Mitinhaber des Bankhauses Merck, Finck & Co. und die Darmstädter Bank für Handel und Industrie gründen mit einem Stammkapital von 2 Millionen Goldmark die Isarwerke GmbH.

Sie übernimmt den Betrieb des Drehstrom-Kraftwerks Zentrale I, das spätere Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth, nachdem die Stadt München kein Interesse an diesem Projekt gezeigt hat. Die Isarwerke GmbH sind somit das erste regionale Elektrizitätsversorgungsunternehmen in Deutschland.

1895
Das Maffei-Kraftwerk am Eisbach wird erbaut

München-Englischer Garten - Hirschau * Das Maffei-Kraftwerk am Eisbach, das heutige Tivoli-Kraftwerk, wird zur Stromerzeugung für das Maffei-Lokomotivenwerk erbaut. Es dient der Firma zur Deckung des eigenen Strombedarfs.

30. Dezember 1918
Verstaatlichung nur für Grundstoffindustrien und für Kraftwerke

München * Vor einer Versammlung von Rätedelegierten führt Kurt Eisner zum Thema Sozialisierung folgendes aus: „Sie wissen, ich bin der Meinung, dass wir heute die ganze Industrie auf einmal sozialisieren können. […] Man kann politische Gewalten stürzen, man kann aber keine wirtschaftliche Organisation durch Revolution aufbauen“.

Eisner schlägt deshalb eine Verstaatlichung nur für gewisse Grundstoffindustrien und für Kraftwerke vor. 

1924
Die Isarwerke AG werden gegründet

München * Die Hauptgesellschafter der Isarwerke GmbH: Jakob Heilmann, das Bankhaus Merck Finck & Co und Georg von Simson, Gesellschafter der Danat-Bank – Darmstädter und Nationalbank, gründen zum Zwecke des Betriebes des Wasserkraftwerks Mühltal bei Schäftlarn die „sarwerke AG.

9. Januar 1948
Verhandlungen zur Übernahme des Maffei-Kraftwerks am Eisbach

München-Englischer Garten - Tivoli - Hirschau * Philipp Mathes, der Direktor der Kunstmühle Tivoli beginnt mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen über die Übernahme des Kraftwerks des ehemaligen Maffei-Kraftwerks am Eisbach zu verhandeln.

1955
Die Isar-Amper-Werke AG entstehen durch Fusion

München-Maxvorstadt * Die Amper-Werke und die Isar-Werke GmbH fusionieren zu den Isar-Amper-Werken AG. Damit endet für die Isarwerke GmbH, als sie dieses zunächst auf die Isarwerke AG übertrug, die Teilnahme am operativen Geschäft.

Fortan halten die drei Familienstämme August und Wilhelm von Finck und Wilhelm Winterstein vom Bankhaus Merck Finck zusammen etwa 90 Prozent der Anteile an einer GmbH, die als Holdinggesellschaft der Isar-Amper-Werke auftritt und auch Betreiber des Atomkraftwerks Isar ist.

um 1971
Ein zweiter Block für das Müllverbrennungswerk Süd

München-Thalkirchen * Das Müllverbrennungswerk Süd erhält einen zweiten Block. Mit diesen Kapazitäten lässt sich damals der gesamte Abfall verbrennen. Sogar Gemeinden aus dem Landkreis München liefern ihren Müll an.Damit erzeugen die Kraftwerke Strom und Fernwärme - aber auch giftige Abgase, weshalb die Müllverbrennung immer umstritten war.

26. April 1986
Die Katastrophe von Tschernobyl führt zum Umdenken

München-Untergiesing * Ein Wasserkraftwerk an der Bäcker-Kunstmühle entsteht. Die Verhandlungen zwischen Günter Tremmel und der Landeshauptstadt München ziehen sich bereits sieben Jahre hin, bis sich schließlich die Katastrophe im Kernkraftwerk von Tschernobyl ereignet. Diese führt dazu, dass sich erstmals breite Gesellschaftsschichten mit den Gefahren der Kernkraft konfrontiert sehen. 

Die bislang nur in kleinen Gesprächszirkeln diskutierten Fragen nach alternativen Energie- und Technologieformen erfasst nun auch das Interesse der Öffentlichkeit und führen zum Umdenken. Nicht mehr einzelne Energieformen sind gefragt, sondern ein Mix aus einer Vielzahl von alternativen und wieder erneuerbaren Energien werden das Ziel, Forderungen nach einem Ausstieg aus der Atomkraft werden erstmals laut formuliert.

um November 1987
Günter Tremmel baut am Auer Mühlbach ein Kleinkraftwerk

München-Untergiesing * Günter Tremmel baut bis zum Frühjahr 1988 ein damals einzigartiges, wasserbetriebenes Kleinkraftwerk, das mit seinen zwei Turbinen jährlich circa 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, die in das Netz der Stadtwerke eingespeist werden.

Mit dieser privaten Initiative erreicht der Mechanikermeister, dass etwa 620 Münchner Haushalte mit elektrischer Energie versorgt werden können. Die 850.000 DMark teuere Investition benötige rund fünfzehn Jahre, bis sie schwarze Zahlen schreibt.

Doch Günter Tremmel sieht in dem Kraftwerk mehr die Verwirklichung eines privaten Traumes und eine energiepolitische Zeichensetzung, als eine wirtschaftliche Investition.

An der Südseite des Kleinkraftwerkes finden sich deshalb folgende Zeilen:
„Untätig war des Wassers Lauf -
und niemand achtete darauf
Hier war die Wasserkraft vergessen,
weil von Atomkraft man besessen
Was doch des Menschen stolzer Wahn
in der Natur zerstören kann
Das möge man bedenken;
in Zukunft sollte die Vernunft uns lenken
Vergeßt nicht unsere Wasserkraft

und laßt sie uns erhalten -
Das mahnten schon die Alten.“