Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
1502
In 39 Münchner bürgerlichen Brauereien wird Bier hergestellt

München * In 39 Münchner bürgerlichen Brauereien wird Bier hergestellt.

Erstmals stimmt die Zahl der Brauer mit der Zahl der Brauhäuser überein.
Die 39 Brauhausbesitzer stellen für 13.500 Einwohner Bier her.

Zum Vergleich: Im Jahr 1372 brauten 21 Brauer für 11.500 Münchner.
Kamen also 1372 noch 536 Münchner auf einen Brauer, so waren es 1502 nur mehr 346.
Das kann sich nur dann rentiert haben, wenn sich der Bierumsatz des einzelnen Münchners um mindestens das Eineinhalbfache gesteigert hat.

War das der Beginn für den unvergleichlichen Aufstieg des Bieres und der Anfang vom Niedergang des Weinkonsums in München?

1538
Ein Connz Holzhauser wird als Haidhauser Hausbesitzer aufgeführt

Haidhausen * In einem Steuerverzeichnis des Landgerichts Wolfratshausen wird ein Connz Holzhauser als Haidhauser Hausbesitzer aufgeführt. Ob dieser aber mit der später auftauchenden Familie Holzhauser in einem Zusammenhang steht, lässt sich wegen Fehlens weiterer Angaben nicht mit Sicherheit feststellen. 

3. März 1692
Kurfürst Max Emanuel erklärt Haidhausen zur geschlossenen Hofmark

Haidhausen * Da Graf Franz Pongraz von Leiblfing in seinem Bestreben, die Erhöhung seines Besitzes in Haidhausen zur geschlossenen Hofmark, nicht nachlässt, erklärt Kurfürst Max Emanuel schließlich die Hofmark des Geheimen und Conferenzrates, Kämmerers, Revisionsrates und Pflegers von Waldmünchen, des inzwischen in den Reichsstand erhobenen Reichsgrafen von Leiblfing - wegen der „vill vnd lange Jar trew geleisteter Dienst vnd aus absonderlichen gnaden“ - mitsamt dem Brunnthal für geschlossen. Damit ist der Haidhauser Schlossbesitzer endlich am Ziel seiner langjährigen Bemühungen.  

In seiner geschlossenen Hofmark unterstehen ihm nun alle dem „Hofkastenamte zinsbaren Unterthanen zu Haidhausen“ und nicht nur die Bauern und Dienstboten, die seine Güter bearbeiteten. Neben riesigen landwirtschaftlichen Flächen besitzt der Graf auch das Recht Scharwerke, Bodenzins und sonstige Steuern und Abgaben - also die gesamten Einkünfte aus Haidhausen - einzutreiben. Selbst die Vergabe der Gerechtsamkeiten“ also die Erlaubnis innerhalb der Hofmark ein bestimmtes Handwerk oder Gewerbe ausüben zu dürfen, unterliegen nun ausschließlich seiner Entscheidung.  

  • Dem Hofmarkherrn unterstehen „im Dorfe 85 Hausbesitzer, die Scharwerkgeld zu entrichten haben.  
  • In der Schwaige nimmt er von 42 Untertanen Scharwerkgeld und Bodenzins ein.  
  • Der Großwirt hat Stift und Gilt zu entrichten und Melber, Metzger, Schmid, Hufschmid und Schneider haben unterschiedliche Beträge abzuführen.  
  • Der jährliche Ertrag der Hofmark beläuft sich auf 188 Gulden 11 Kreuzer“.
  • Die Konsequenz aus der Erhebung Haidhausens zur geschlossenen Hofmark ist der Austritt aus dem Verband des Gerichts ob der Au.  

Während der Leiblfing‘schen Hofmarkszeit wird die Ansiedlung minderbemittelter Leute stark begünstigt. Jeder, der die Gebühren entrichten und eine Herberge erwerben kann, darf sich niederlassen und heiraten. Zeitgenossen merken kritisch an, dass der Hofmarkherr nur auf seinen Vorteil bedacht ist und sein Streben einzig der Erhöhung seiner Einnahmen gilt. Er ergreift „jede Gelegenheit Geld aus den Untertanen zu pressen, z.B. durch offenbare Begünstigung der Herbergskäufe und Ansässigmachungen und Verehelichungen, wegen der anfallenden Laudemien, Verbriefungs- und anderer Taxen und Sporteln“

2. Mai 1773
Franz Xaver Zacherl wird in München geboren

München * Franz Xaver Zacherl wird in München geboren. Sein Vater ist der bürgerliche Garkoch und Hausbesitzer in der Sendlinger Straße, Martin Zacherl. Seine Mutter Barbara ist eine geborene Seemüller. Sie stammt aus Tölz und ist die Tochter eines dort ansässigen Bierbrauers. 

25. Oktober 1842
Die Hausbesitzer in der Birkenau sind zum Straßenunterhalt verpflichtet

Untergiesing * Die Besitzer der Häuser in der Birkenau sind zum Unterhalt der Straßen verpflichtet. In einem Brief beschweren sich die Siedler, dass der „ehemalige Geh- und Fahrweg von Birkenau bis zur Loh“ schon „seit 1½ Jahren verwahrlost liegt, daß er bei Regen und Schnee nur einem Wassergraben gleicht, des Tags nur mit Vorsicht, des Nachts aber gar nicht zu passiren ist“.

Zudem bitten die Birkenauer die Giesinger, diese „nicht ganz und gar versinken zu lassen, zumal auch kleine Kinder bis zur Schule durch diesen Weg watten müssen“. Das zuständige Landgericht Au antwortet darauf, dass sie selbst für den fahrbaren Zustand ihrer Straßen zu sorgen hätten.

1865
Johann Valentin Fey heiratet Elisabeth Sigl, geb. Falk

München-Au * Der aus Darmstadt kommende Tapeziermeister Johann Valentin Fey heiratet die 25-jährige, kinderlose Hausbesitzerstochter und Tapeziererswitwe Elisabeth Sigl, geborene Falk. Das ermöglicht ihm, bei seinem Schwiegervater als Compagnon der Firma Falk & Fey einzusteigen.

um 1872
Obergiesinger Kleinhausbesitzer lassen ihre Häuser aufstocken

München-Obergiesing * In den 1870er Jahren, als das Bau­gewerbe in München nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich einen allgemeinen Aufschwung erlebt, lässt ein Teil der Obergiesinger Kleinhausbesitzer seine Häuser aufstocken, sodass in der „Feldmüller-Siedlung“ das zweigeschossige Vorstadthaus prägend wird.

Die Gebäude sind dennoch äußerst einfach und schlicht.

1899
Das Kaufhaus Hermann Tietz wird als erstes Kaufhaus eröffnet

München * Das Kaufhaus Hermann Tietz, der spätere Hertie, wird als erstes Kaufhaus in München eröffnet. Der Kaufhausbesitzer muss sich mehrmals vor Gericht den Anschuldigungen der Antisemiten erwehren, dass er durch ihre niedrigen Löhne die Verkäuferinnen zur Prostitution treiben würde. Das bringt zwar den Anschuldigern hohe Geldstrafen ein, hat aber auch Auswirkungen auf das Geschäft des Warenhauses Tietz. 

1906
Eine Bedürfnisanstalt am Max-Weber-Platz

München-Haidhausen * Das heute als Zugang über Rolltreppen zur U-Bahn dienende Gebäude wird als Bedürfnisanstalt errichtet und wie folgt beschrieben:

„Es enthält eine Bedürfnisanstalt mit Wärterinzimmer, eine Männerabteilung mit 2 Aborten, eine Frauenabteilung mit 3 Aborten, einen Pißort mit 12 Standplätzen, einen Stationsmeister - und einen Warteraum der Straßenbahn, einen Zeitungsladen und eine geräumige offene Vorhalle.
Das Gebäude ist nur zu einem kleinen Teil unterkellert. Die überbaute Fläche beträgt 128 Quadratmeter. Das aus Backsteinmauer-werk hergestellte Bauwerk ist verputzt, die Dachung mit roten Ziegeln eingedeckt.”

Von den Anwohnern und Hausbesitzern wird Einspruch gegen die Bedürfnisanstalten erhoben und dabei Bedenken in „ästhetischer und sittlicher Beziehung“ ins Feld geführt. 

2. August 1914
Die Stadt hat sich durch den Krieg sofort verändert

München * Den Frauen werden Sanitätskurse angeboten, da nur wenige über entsprechende Kenntnisse verfügen. Pensionierte Lehrerinnen und Lehrer werden aufgefordert, sich für die Dauer der Schulferien um die Kinder zu kümmern. Nicht eingezogene Studenten und alle in den Wehrkraftvereinen organisierten Jugendlichen sollen sich als Erntehelfer melden. 

Schauspieler und Autoren sollen während der Dauer des Krieg auf ihre Tantiemen verzichten und sich mit dem Zehrpfennig für Speise und Trank begnügen. Theaterdirektoren sollen ihren Ausstattungsetat möglichst weit herunterfahren: „Das Publikum wird in diesen Zeiten eine einfache Ausstattung und andere Mängel gerne in Kauf nehmen. Spielt deutsche und patriotische Stücke zu mäßigen Preisen“.  

Hausbesitzer klagen, dass viele Mieter infolge des Kriegszustandes keine Miete zahlen wollen. 

28. November 1938
Anweisung zur Erfassung der jüdischen Wohnungen

München * Eine Berliner Anweisung zur Erfassung der jüdischen Wohnungen wird in München unverzüglich umgesetzt. Man ordnet an, eine Namens- und Adressenliste der noch ansässigen jüdischen Mieter zu erstellen und verpflichtet Hausbesitzer, keine Neuvermietungen an jüdische Personen ohne städtische Genehmigung abzuschließen.

1976
Der Stadtrat beschließt das Anbringen einer Gedenktafel für Kurt Eisner

München-Graggenau * Der Stadtrat beschließt das Anbringen einer Gedenktafel für Kurt Eisner an der Kardinal-Faulhaber-Straße. Der Hausbesitzer Falk Volkhardt weiß die Anbringung der Erinnerungsplatte an der Fassade des Montgelas-Palais, das inzwischen zum Hotel Bayerischer Hof gehört, zu verhindern.

Er verweigert die Anbringung der Gedenktafel mit seinen Bedenken, dass sich diese „geschäftsschädigend“ auswirken und die Tafel möglicherweise Sprengstoffanschläge und Beschädigungen provozieren könnte.  

Dieses Risiko will natürlich keiner der Verantwortlichen tragen. 

1993
Die Deutsche Eiche soll entkernt und gewinnbringend genutzt werden

München-Isarvorstadt * Das Haus in der Reichenbachstraße 13, in dem sich die Deutsche Eiche befindet, soll „entkernt“ und gewerblich gewinnbringend gestaltet werden. Nach weltweiten Protesten trennt sich die Grund- und Hausbesitzerin Monachia von der „problematischen Immobilie“.

Dietmar Holzapfel, sein Vater Nicki Holzapfel und Dietmars Partner Josef Sattler kaufen gemeinsam die heruntergekommene und renovieungsbedürftige Deutsche Eiche. 

31. Dezember 2013
Die Pfandhausbetreiber können ihr Schmuddel-Image ablegen

Bundesrepublik Deutschland * Die Pfandhausbetreiber können ihr Schmuddel-Image ablegen und sich erfolgreich zum modernen Dienstleister weiterentwickeln. Die deutsche Pfandkreditbranche gibt in dem umsatzschwachen Jahr 2013 rund 630 Millionen Euro an Krediten aus.

Inzwischen nehmen immer mehr Menschen die Dienste der Leihhäuser in Anspruch, da, anders als bei den immer weniger an Privatkunden interessierten Banken, den Pfandhäusern auch Menschen willkommen sind, die nur kleine Darlehen brauchen. Bei kurzen Laufzeiten ist ein Pfandkredit meist günstiger als ein Bankdarlehen. Zudem wird im Leihhaus kein Lohnnachweis verlangt und die Verhandlungen dauern oft keine zwei Minuten. 

Pro Monat werden bei Pfandkrediten ein Prozent Zinsen fällig, zuzüglich einer Gebühr, die sich nach der Höhe des Kredits richtet. Mit einem Pfandkredit werden oft unvorhersehbare Ausgaben - wie eine Steuernachzahlung - finanziert oder die Darlehen müssen in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten einfach für die laufenden Ausgaben herhalten.

Wird der Kredit nach Ende der Laufzeit nicht verlängert und das Pfand nicht ausgelöst, kommt es zur Versteigerung. Findet sich dort auch kein Interessent, versuchen die Pfandhausbesitzer diese über ihre Läden zu verkaufen. Ist der Erlös höher als der Darlehensbetrag plus Zinsen, entsteht ein Überschuss, der aber ausschließlich dem Kunden zusteht. Wenn dieser ihn nicht einfordert, wird das Geld nach zwei Jahren an den Staat abgeführt. Allerdings werden nur 6,5 Prozent der Pfänder nicht mehr ausgelöst.