Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
2. Januar 1788
Der Knigge-Ratgeber erscheint

Hannover * Der Ratgeber „Über den Umgang mit Menschen" von Adolph Freiherr von Knigge erscheint. Der Verleger ist Philipp Reclam (der Ältere). 

Knigge wollte keinen Benimmratgeber im heutigen Sinn schreiben, sondern ein philosophisch-moralisches Werk, in deren Mittelpunkt stehen:

  • der gegenseitige Respekt
  • Toleranz
  • Menschenkenntnis
  • vernünftiger, aufgeklärter Umgang miteinander. 

 

Knigge wandte sich gegen:

  • Standesdünkel
  • blinde Autorität
  • höfische Heuchelei 

Erst im 19. Jahrhundert wurde „der Knigge“ fälschlich zum reinen Benimmkodex umgedeutet – eine Verkürzung, die bis heute anhält.

27. Juli 1830
In Frankreich kommt es zur Juli-Revolution

Paris * Zwischen dem 27. und dem 29. Juli 1830 kommt es in Frankreich zur sogenannten „Julirevolution“, bei der der restaurative Bourbonenkönig Karl X. gestürzt und durch den liberalen Bürgerkönig Louis-Philippe ersetzt wird.  

Da diese liberale Bewegung in ganz Europa Auftrieb erhält und es in mehreren Staaten des Deutschen Bundes wie dem Königreich Sachsen, dem Königreich Hannover, dem Großfürstentum Hessen-Kassel und dem Herzogtum Braunschweig zu Unruhen und neuen Verfassungen kommt, erhöht sich beim bayerischen König - völlig berechtigt - auch die Angst vor einem Umsturz, weshalb seine Politik - spätestens jetzt - extrem konservative Züge annimmt. In König Ludwigs I. Regierungszeit gibt es fast 1.000 politische Prozesse. 

um 1837
Das unzweckmäßige Postgebäude soll verkauft werden

München-Graggenau * Noch vor der offiziellen Eröffnung gibt es Verkaufsüberlegungen für das unzweckmäßige Postgebäude. Der Bayerische Gesandte in Hannover meldet, dass ein dortiger Hotelier, der zuvor Schiffskapitän war, die umstrittene Immobilie zu einem in Deutschland einzigartigen Gasthof der ersten Größe umgestalten will.

Die Verhandlungen scheitern aber letztlich am hohen Kaufpreis und an der Forderung, dass ohne königliche Genehmigung nichts an der Fassade geändert werden darf.

23. August 1866
Mit dem Frieden von Prag ist Österreich aus Deutschland hinausgedrängt

Prag - Wien - Berlin - München * Mit dem Frieden von Prag drängt Preußen Österreich aus Deutschland. Außerdem annektiert Preußen die umstrittenen Elbherzogtümer Holstein und Lauenburg, das Königreich Hannover, das Herzogtum Nassau und das Kurfürstentum Hessen-Kassel sowie die Freie Stadt Frankfurt am Main.

Geblieben ist ein Bundesstaat mit 15 Klein- und Mittelstaaten nördlich der Mainlinie, der politisch, wirtschaftlich und militärisch im Norddeutschen Bund von Preußen dominiert wird. Eine sonderbare staatsrechtliche Konstruktion, die keinen langen Bestand haben wird.

Der Norddeutsche Bund erhält ein eigenes Parlament. Seine Verfassung nimmt bereits die des 1870/71 begründeten Deutschen Reiches vorweg.

1888
Die Methoden der Müllbeseitigung studieren

München * Eine eigens gebildete Kommission geht auf Reisen, um in Frankfurt, Hannover, Bremen, Hamburg, Dresden, Leipzig, Prag und Berlin die dortigen Methoden der Müllbeseitigung zu studieren. Danach will man die Zustände in München ändern.

4. April 1896
Albert Langen startet die Satire-Zeitung Simplicissimus

München * Der von Köln über Paris kommende Zuckerfabrikanten-Erbe Albert Langen startet die Satire-Zeitung Simplicissimus.  

In seiner Begleitung befinden sich der Hannoveraner Frank Wedekind und der aus Leipzig stammende Thomas Theodor Heine, die Pariser Flair und Esprit ins Isar-Athen bringen möchten. Thomas Theodor Heine hatte seine Karriere als Zeichner bei den Fliegenden Blätter begonnen. 

22. August 1914
Erich Ludendorff wird Generalstabs-Chef in Ostpreußen

Konstanz * Generalstabs-Chef Helmuth von Moltke beruft den an der Westfront eingesetzten und als „Helden von Lüttich“ verehrten Erich Ludendorff ins große Hauptquartier in Koblenz, um ihn über seine neue Mission als Generalstabs-Chef in Ostpreußen in Kenntnis zu setzen.  

Noch am Abend des selben Tages trifft Ludendorff in Konstanz ein, wird mit den Befehlen ausgestattet und fährt danach mit einem Sonderzug nach Marienburg, nimmt aber zuvor in Hannover noch Paul von Hindenburg auf. Nachdem er den neuen Oberbefehlshaber der 8. Armee knapp über die Lage informiert hat, legt sich Hindenburg wieder zum Schlafen. 

um 12. November 1918
Ein zitternder Herzog von Braunschweig und Lüneburg

Augsburg * Ernst August III. Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und Prinz von Hannover hat es nach seiner Abdankung am 8. November 1918 mit seiner Familie nach Augsburg verschlagen. Er lebt in materieller Not in einem Hinterhof.

Da er als Ortsfremder keine Lebensmittelkarten erhält, bekommt er auf seine vorsichtige Anfrage vom Arbeiter- und Soldatenrat die Auskunft, dass er sich wie jeder andere Bürger bei der Behörde anmelden und seine Lebensmittelkarte persönlich abholen kann.

Herzog Ernst August III. spricht daraufhin persönlich beim Vorsitzenden des Augsburger Arbeiter- und Soldatenrats, Ernst Niekisch, vor: „Er zitterte am ganzen Körper, im buchstäblichen Sinn des Wortes klapperte er mit den Zähnen. Ich beruhigte ihn, niemand wolle ihm oder seiner Familie etwas zuleide tun. Ich händigte ihm die Lebensmittelkarten aus.“ 

20. August 1999
Ein Felsstück von der Zugspitze im Alpinen Museum

Zugspitze - Hannover * Als Beitrag Bayerns auf der EXPO im Jahr 2000 wird ein Felsstück von der Zugspitze weggesprengt. Der 3,3 Tonnen schwere und 2,70 Meter hohe Fels mit einem Durchmesser von rund einem Meter steht jetzt im Garten des Alpinen Museums.