Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
um Oktober 1890
Friedrich von Bodelschwingh und die Brockensammlung

Bielefeld-Bethel * Friedrich von Bodelschwingh verfasst den Aufruf: „Sammelt die übrigen Brocken, auf dass nichts umkomme.“ Dieser Satz wird später zum Leitspruch der Brockensammlung. Mit dieser neuartigen Form einer Sozialeinrichtung verfolgt Bodelschwingh ein doppeltes Ziel: 

  • Zum einen sollen durch das Einsammeln und Wiederaufbereiten beschädigter oder nicht mehr benötigter Haushaltsgegenstände arbeitslose und erwerbsbeschränkte Menschen sinnvoll beschäftigt werden. 
  • Zum anderen sollen hilfsbedürftige Personen Zugang zu günstigen Gebrauchsgegenständen erhalten.
1891
Der Erfolg der Brockensammlung

Bielefeld-Bethel * Die Resonanz auf den Aufruf von Friedrich von Bodelschwingh zur Gründung einer Brockensammlung ist so groß, dass der zunächst vorgesehene Lagerschuppen schon bald nicht mehr ausreicht. Ein eigenes Gebäude wird errichtet, in dem die abgegebenen Spenden repariert und weiterverkauft werden. 

Die Idee findet schnell Anklang - schon wenig später entstehen Brockenhäuser in allen größeren Städten Deutschlands. 

1902
Räumlichkeiten für die Brockensammlung auf der Kohleninsel

München-Isarvorstadt * Die Stadt München stellt der Brockensammlung Räumlichkeiten in der ehemaligen Alten Isarkaserne auf der Kohleninsel zur Verfügung. Dazu gehört eine große, beheizbare Halle, die von vier Säulen getragen wird. Angrenzend befinden sich ein geräumiges Zimmer sowie zwei kleinere Räume. Der Standort ist ideal - zentrumsnah und in unmittelbarer Nähe zu den Armenvierteln der Stadt. 

Juni 1903
Die Münchner Brockensammlung

München-Isarvorstadt * In den Mitteilungen der Münchner Brockensammlung heißt es: „Die Münchner Brockensammlung erbittet und läßt kostenfrei durch ihre Leute abholen: Alte, auch zerbrochene Möbel, jeder Art gebrauchter Kleiderstücke, Wäsche, abgetragene Schuhe, Hüte, Strümpfe, alle Arten Bücher, Broschüren, Zeitungen, Papier, Marken, Zeugreste und Lumpen, Schirme, Zigarrenabschnitte, Korke, Staniolkapseln, Flaschen, Glas, Körbe, altes Werkzeug, Metall und Geschirre aller Art, Militär-Effekten, kurz alles, was im Hause unnütz umherliegt.“

Da stellen also die wohlhabenden Bürger Münchens ihre ausgedienten oder aus der Mode gekommenen Möbel und Dinge des täglichen Bedarfs, kurz „all den Kram des Speichers und Kellers, der überflüssig, hindernd und störend im Wege liegt“, kostenlos zur Verfügung, um sie dann an Interessenten zu verkaufen oder - zu kleinsten Preisen - den Bedürftigen zur Verfügung zu stellen.

Lumpen, Knochen und Altmetall werden in eigens aufgestellten Tonnen gesammelt und dann zur Weiterverarbeitung an einschlägige Unternehmer weiterverkauft. Die privaten Organisatoren geben die Gegenstände an die Bedürftigen ausdrücklich nicht gratis ab. Im Gegenteil, sie legen großen Wert darauf, dass die Käufer eine - wenn auch noch so geringe - Eigenleistung erbringen. Man will den Bedürftigen zwar tätige Hilfe zukommen lassen, ohne sie jedoch in die Rolle von würdelosen Almosenempfängern zu drängen.

1912
Die Brockensammlung besteht seit zehn Jahren

München-Isarvorstadt * In der Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Brockensammlung heißt es: „Kein Bazar und kein noch so großes Kaufhaus“ kann sich in „Vielseitigkeit des hier zum Verkauf Ausgestellten“ mit dem Brockenhaus messen.

In den ersten zehn Jahren konnten 90.000 Mark an Institutionen der Wohlfahrtspflege abgegeben werden. Der Erfolg hält bis zu den im Ersten Weltkrieg behördlich angesetzten Sammlungen an.

28. September 1933
Die Münchner Brockensammlung wird aufgelöst

München-Isarvorstadt * Der Verein Münchner Brockensammlung e. V. löst sich als Träger und Organisator des Brockenhauses auf. Dieser Schritt ist aber keine Folge innerer Schwäche, sondern die direkte Konsequenz der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik. 

Die Brockensammlung wird Opfer einer gezielten Ausschaltung unabhängiger sozialer Initiativen im Zuge der antisemitisch und ideologisch motivierten Repression, die keinerlei abweichendes gesellschaftliches Engagement mehr duldet.