Münchner Zeitensprünge
2000
0 Chronik 2026
1880
Der Bildhauer Anton Heß will in seinen Antiquitäten leben

München-Maxvorstadt * Der Bildhauer Anton Heß lässt sich durch den Architekten Leonhard Romeis neben seinem Atelierbau ein villenartiges Wohnhaus im Stil der deutschen Renaissance errichten. Der Bildhauer will ein Wohnhaus, in dem er seine über Jahrzehnte angesammelten Antiquitäten, vornehmlich aus der Renaissancezeit, als Wohngegenstände gebrauchen kann. Leonhard Romeis muss deshalb „von innen nach außen“ planen.

Fußböden, Holzdecken und Wandvertäfelungen bilden die Vorgaben, nach deren Abmessungen sich die Zimmergrößen der einzelnen Räume zu richten haben. Aus den Maßen der Zimmereinrichtung ergibt sich die Zimmergröße und -höhe, aus der Zimmergröße der Grundriss und erst daraus kann er die Gestaltung der Fassade entwickeln.

Architekt Romeis hat also zum einen die Aufgabe, fünf komplette Zimmer mit Wandvertäfelung und zum Teil auch Erker und Sitznische sowie verschiedene Decken in einen Bau zu integrieren, als auch gleichzeitig fehlende Teile im Stil der historischen Teile zu entwerfen, um eine einheitliche Wirkung des ganzen Hauses zu erzielen. Anton Heß verzichtet in einigen Bereichen auf Komfort und zieht unpraktische Möbel, wie kurze, gotische Betten, oder zum Teil niedrigere Türen einem Wohnen in zeitgenössischem Mobiliar vor.

Der Bildhauer sammelt die Gegenstände also zur wirklichen Benutzung und strebt keine Stilreinheit an. So kombiniert er in seinem Haus Südtiroler Stuben aus Kurtatsch und Montan aus dem Jahr 1576 mit Türen und einem Treppengeländer aus Münchner Bürgerhäusern, Portal- und Türverkleidungen aus Kloster Seeon, um 1620, und Plafonds aus Ulm.

1884
Beschreibung der Villa Grützner

Leipzig - München-Haidhausen * Ein Artikel der in Leipzig erscheinenden Illustrierten Zeitung beschreibt die Villa des Kunstmalers Eduard Theodor Grützner: „Da haben nun die vereinigten Antiquitäten mehr oder weniger sich selbst die Räume geschaffen.

Das Haus ward lediglich nach denselben gebaut; nach dem dadurch bedingten Inneren gestaltete sich naturgemäß mit Hilfe der geschmackvollen Anordnung beider Künstler [gemeint waren Grützner und Romeis] auch das Äußere dieses anmuthigen Gebäudes, mit all seinen Winkeln und Vorsprüngen, mit seinen Erkern, Altanen und Thürmchen, die demselben solch ein charaktervolles, deutsch anheimelndes Aussehen verliehen.“

1926
Das Anwesen Friedenstraße 40 gehört der Firma L. Bernheimer oHG

München-Berg am Laim * Laut dem Adressbuch gehört das Grundstück am Standort des heutigen Technischen Rathauses an der Friedenstraße 40 der L. Bernheimer oHG, die „künstlerische und vornehme Wohnungseinrichtungen in historischen Stilarten“ anbietet.

Die jüdische Antiquitätenhändler-Familie betreibt ihr Hauptgeschäft am Lenbachplatz.

1930
Die beiden Grützner-Kinder versteigern alle Güter

München-Haidhausen * Die beiden Grützner-Kinder versteigern alle Güter - einschließlich der umfangreichen und kostbaren Antiquitätensammlung. Die Künstler-Villa erwirbt die Studentenvereinigung Danubia, die einige Räume umbauen lässt.