Elisabeth Wellano - alias Liesl Karlstadt - wird geboren
München * Elisabeth Wellano, die spätere Liesl Karlstadt, wird als Fünftes von 9 Kindern geboren.
München * Elisabeth Wellano, die spätere Liesl Karlstadt, wird als Fünftes von 9 Kindern geboren.
München-Angerviertel * Nach einer Textillehre bei der Firma Eder am Viktualienmarkt erhält Elisabeth Wellano eine Anstellung im Kaufhaus Hermann Tietz.
München * Elisabeth Wellanos 15jähriger Bruder stirbt.
München * Elisabeth Wellanos (= Liesl Karlstadt) Mutter stirbt.
München-Hackenviertel * Ihr Bruder lädt Elisabeth Wellano im Alter von 17 Jahren in den Bamberger Hof ein, wo die Münchner Alpensängergesellschaft Schnackl Franz“auftritt. Dadurch wird bei ihr das „Theaterfeuer“ gelegt.
München * Elisabeth Wellano kündigt ihren Job bei „Hermann Tietz“ und steht für 3.- Mark Gage jeden Abend auf der Bühne im Frankfurter Hof.
München-Ludwigsvorstadt * Karl Valentin und Elisabeth Wellano treffen im Hotel Frankfurter Hof aufeinander. Der bereits etablierte Karl Valentin kommt auf die „dantschige“ Nachwuchs-Schauspielerin zu und meint: „Sie, Fräulein, Sie sind als Soubrette aufgetreten. Heut hab ich Sie zum ersten Mal gesehen. Des is nix. Wissen‘s, Sie sind zu schlank für a Soubrette. Als Soubrette muss man kess sein, die muss an großen Busen haben. Außerdem sind Sie viel zu schüchtern. Und so brav schaun Sie aus, fast wia a Kommunionmäderl. -
Aber Sie sind sehr komisch. Sie müssen sich aufs Komische verlegen. Das ist geeignet für Sie“.
Daraufhin ist das Fräulein Wellano empört und schwer beleidigt. Doch Karl Valentin meint es ehrlich, weshalb er weiter auf Liesl Wellano einredet und meint: „Ich schreib Ihnen einmal in der nächsten Zeit a komisches Soubrettencouplet, also eine Parodie auf eine richtige Soubrette. Und des bringens dann“. Er schreibt ihr also ein Couplet mit dem Titel „Das Gretchen“.
Die talentreiche Nachwuchsschauspielerin ist zwar nicht überzeugt davon, lässt sich aber auf das Abenteuer ein, lernt das Lied auswendig und trägt es vor. „Ich hab mich aber nicht so schön angezogen im Flitterkleid, sondern schon a bissl komisch gmacht“, schreibt sie später. Und weiter: „Damals war es Mode, dass man irgend einen Herrn im Publikum ansingt als Soubrette“.
Liesl sucht ihr Opfer aus und singt in der letzten Strophe: „O nimm mir diesen Stein vom Herzen“. Dabei greift sie in ihren Ausschnitt, zieht einen Isarkiesel hervor, schmeißt ihn auf den Boden und schmettert dann weiter: „Bereit mir nicht so viel Kummer, Sorg und Schmerzen, Sag‘ es aufrichtig, hast Du mich lieb, Du kecker Herzensdieb“.
Das war ein Riesenerfolg und ein großer Lacher - und machte aus der einst „feschen Soubrette“ eine „komische Soubrette“.
München * Elisabeth Wellano unterschreibt einen Bühnenkontrakt bei Adalbert Meiers „Gesellschaft die lustigen Dachauer“. Ihre monatliche Gage ist doppelt so hoch wie ihr Verdienst im Kaufhaus Hermann Tietz war. Das Engagement dauert vom 1. Juni 1911 bis 1. Juli 1912.
München * Die 20-jährige Elisabeth Wellano tritt - solo und selbstbewusst - als „Blödsinnkönigin Frl. Lisi“ auf.
München-Maxvorstadt * Elisabeth Wellano tritt im Serenissimus in der Akademiestraße als „Lisl Mackstadt“ auf. Kurz darauf erfolgt die Umbenennung in „Liesl Karlstadt“. Es ist einer der wenigen Fälle, in dem ein exotisch klingender Name zugunsten eines „normalen“ aufgegeben wird.
Die Umbenennung ist für beide zufriedenstellend: Karl Valentin muss nicht länger befürchten, dass der exotische Name „Wellano“ von ihm ablenkt und ihr von Anfang an eine zu große Aufmerksamkeit garantiert. Sie war froh, ihn endlich los zu sein. Ihren Namen hat sie nie sehr geliebt, da er für sie untrennbar mit ihrer Kindheit verbunden war, als sie mit „Wellano - Italiano - lebst aa no?“ verspottet wurde.
München * Einen Tag nach Elisabeth Wellanos 22. Geburtstag stirbt ihr Vater.