um 20. August 1956
Debatte um Jugendkontrolle und Polizeigewalt
München - München-Au * Der CSU-Landtagsabgeordnete und spätere Innenminister Heinrich Junker tut sich als Scharfmacher hervor. Er stellt einen Antrag für Maßnahmen zum Schutze der Jugend, in dem er
- die ständige Überwachung von Kinos, Gaststätten und Parkanlagen,
- die Überwachung der jugendlichen Kraftfahrer, insbesondere der Mopedfahrer und
- die Bekämpfung jeglicher auftretender Bandenbildung fordert.
Zur Durchsetzung seines Antrags unterstützt er
- das „rücksichtslose Eingreifen der Polizei“,
- deren „rücksichtslose Gewaltanwendung“,
- die „Brechung jeglichen Widerstands […] mit allen an die Grenze des Gesetzes gehenden Mitteln“ und
- die „Anweisung an die Staatsanwaltschaft, bei Vergehen und Verbrechen schärfsten Strafantrag zu stellen“.
Junker kann sich mit seinen Vorstellungen gegen die SPD-dominierte Viererkoalition nicht durchsetzen. Dieser Erfolg liegt an dem SPD-Landtagsabgeordneten Rudolf Schlichtinger, der sich für die Interessen und Nöte der Jugendlichen einsetzt. Ihm geht es nicht darum, „wie man ‚die Halbstarken‘ bekämpfen und gegebenenfalls vernichten kann, sondern wie man junge Menschen davor bewahren kann, Rowdys oder Verbrecher zuwerden“ und wehrt sich gegen das Modewort „Halbstarke“.